Martin konnte nicht sprechen. In jähem Entzücken und ahnungsvollem Schreck zugleich taumelten seine Gefühle —
Auf der Heimfahrt vom Urlaub hatte er abgeschlossen ... es sollte ... es würde ja zu Ende sein am zweiten September ... Er würde sich alsbald nach der Übung zur Landwehr versetzen lassen, würde Frau Cäcilie von Brandeis niemals wiedersehen ... Den einen Abend noch unter den Augen des ganzen Regiments ... da würde man schon Fassung bewahren können ... dann Montag nach dem Dienst mit dem Hauptmann nach Hause ... ein korrektes, liebenswürdig heiteres Abschiedsgeplauder unter den Augen des Gatten ... und dann ... ade! ... ade für ewig!
Agathe wartete ... ihr gehörte all sein Sehnen ... jede Sekunde im Banne der schönen Frau war Verrat an dem geliebten Mädchen ... Also Schluß! ... endgültig Schluß!
Und nun — —?! ... Schicksal, nimm deinen Lauf —!
»Kommen Sie, Herr Flamberg ... noch ein paar Takte ... gleich ist's zu Ende ...!«
Hauptmann von Brandeis stand in der Tür des Rauchzimmers, die Zigarette zwischen den Fingern, und sah schmunzelnd in das Gewühl des Tanzes hinein ... ein frisches, glückliches Lächeln lag auf seinen Lippen ...
Die Königin des Festes ... ja, das war sie ... seine Cäcilie ... Die andern Damen ... welche von denen war denn auch nur von weitem mit ihr zu vergleichen!
Und wie sie tanzte ... Selbst die ältesten Stabsoffiziere machten gute Figur mit ihr ... Die alten Herren waren wie elektrisiert, wenn sie die federleichte Gestalt im Arm hielten ... angesteckt von der rhythmischen Energie, die ihre Glieder durchpulste ... Und wenn sie förmlich einen Meistertänzer wie diesen Flamberg gefunden hatte ... den beiden zuzuschauen, das war ja wirklich ein ästhetischer Genuß ...
Überhaupt dieser Flamberg! ... Doch direkt ein begnadeter Mensch! — Stammte er nicht aus ganz dürftigen Verhältnissen? — Freilich ... aus einem Pfarrhause! — Gewiß waren seine Eltern feingebildete Leute gewesen ... die gute Kinderstube! So was ist nicht nachzuholen und nicht nachzuahmen ... aber zur Gesellschaft im eigentlichen Sinne hatte er nun doch mal nicht gehört — und wer merkte ihm das heute noch an ... ein genialer Künstler, eine repräsentative Persönlichkeit, und dabei so'n famoser Kerl — selbstbewußt — natürlich! Na, das gehörte sich auch so! Aber dabei so einfach ... so ohne Prätension ... und Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle ...
Solche Reserveoffiziere sollte man mehr haben im Regiment! Andere Nummer als diese Windhunde, die Herren Dormagen und Klocke, diese Säbelraßler und Uniformfatzken!