Frobenius verglich die beiden Frauen beim Tanzen. Cäcilie legte sich weich und anschmiegend in des Tänzers Arm. Es schien ihr angenehm zu sein, wenn man sie recht fest und nahe hielt. Scheinbar willenlos überließ sie sich der Führung ihres Partners, tanzte ruhig, schwebend; ihre Füße schienen sich kaum zu bewegen.
Nelly aber tanzte mit weitem Abstand, sehr selbständig, mit weit ausholenden Schleifern, wie um sich auszutoben und auszutollen im Tanz. Wenn man sie so sah ... ihre Tanzwonne steckte an ... man bekam Sehnsucht, sich von ihr hineinziehen zu lassen in diese Strudel, diese Wirbel, in denen sie sich tummelte wie ein losgelassenes Füllen ...
Ach, es war Jahre her, seit Wilhelm Frobenius zum letzten Male auf dem Professorenball das Tanzbein pflichtmäßig, aber ohne Liebe zur Sache geschwungen. Damals hatte sich die alternde Tochter des Rektors und Dekans der philosophischen Fakultät lebhaft für den jungen, aufstrebenden Privatdozenten interessiert, und manche mehr oder weniger zarte Andeutung hatte ihm nahegelegt, er solle zugreifen und seine Karriere sichern ... aber die hochfahrende Nüchternheit des gelehrten Fräuleins hatte ihm ein Grauen eingeflößt. Er hatte sich sehr merkbar zurückgezogen und war seitdem gesellschaftlich ziemlich kaltgestellt. Daß er auch heute noch nicht einmal Extraordinarius war, stand zweifellos auch in einem gewissen innern Zusammenhang mit jener Fahnenflucht. — Nun, er hatte gesellschaftliche und berufliche Zurücksetzung zu verschmerzen gewußt ...
Auch heute abend hatte er nicht engagieren wollen, aber als er nach Tisch Fräulein Nelly von Sassenbach eine gesegnete Mahlzeit wünschte, hatte die ihm von selbst ihre Tanzkarte hingehalten.
»Ich bin ein miserabler Tänzer, gnädiges Fräulein!«
»Schadet nichts — wir werden plaudern!«
Nun der Bann gebrochen war, hatte er auch noch Frau von Brandeis engagiert. Die Schar der übrigen Damen war ihm gleichgültig — auch durfte man die aktiven Herren nicht berauben.
Aber der Gedanke an den bevorstehenden Tanz hatte ihn doch mit einem gelinden Grauen erfüllt ...
Nun war er da, der gefürchtete und doch ersehnte Augenblick ...!
»Also mit dem Tanzen ist es wirklich nichts, Herr Frobenius?«