Ach ... das war lange her ... das war gar nicht mehr wahr ...

Rechts und links staute sich das Volk, und sie hörte das Flüstern der Menge: Das ist Martin Flamberg, der große Maler, und seine glückliche Braut, die schöne Frau Cäcilie ...

Einen Blick warf sie dem Verlobten zu, und er erwiderte ihren Blick mit einem jähen verlangenden Aufleuchten seiner braunen durstigen Künstleraugen ...

Und immerfort ... tief und gewaltig ... summten dazu die Glocken aus der Höhe ...

Nun schritten sie Hand in Hand die hohe, breite Domtreppe hinan ... weit offen stand die metallene Pforte ... dem Blick erschloß sich das geheimnisdunkle, weihrauchdurchduftete Innere des Heiligtums ... von rechts her, magisch bunt gefärbt, fiel durch die Glasgemälde der Spitzbogenfenster ein breiter Strahl gedämpften Sonnengoldes hinein ...

Da — als das Paar die Pforte durchschreiten wollte ... plötzlich stand da eine gräßlich entstellte, bleiche Gestalt in der Wölbung — — Fritz —!

Er stand im kotbespritzten Manöveranzug ... die Feldmütze tief ins blasse Gesicht gezogen ... die braunbehandschuhte Linke hatte er fest aufs Herz gedrückt ... und unhemmbar floß ein Strom zähen, dunkeln Blutes zwischen seinen Fingern hindurch ... sickerte auf die Steinfliesen ...

Da schrie sie auf ... und brach in den Armen des Geliebten zusammen ...

Und erwachte — —

Erwachte in dem hellen, freundlichen Schlafgemach des Schlößchens Hettstein ... in dem messingfunkelnden englischen Bett unterm duftig lichten Gardinenhimmel ...