Was ist denn eigentlich so Besonderes dran an dir, du weiße Larve mit den brennenden Augen drin, daß du immerfort durch einen Wall, durch einen Schwall von Huldigungen hinschweben mußt —?!

Bum, bum — läuteten droben auf den Bergen ringsum im Kreise die Kanonen, deren Sang ihren Traum wie Hochzeitsglocken durchwandelt ...

Dort oben stand das ganze rheinische Armeekorps, in zwei Parteien geteilt, in lustiger Friedensschlacht ... mehr denn zwanzigtausend rüstige Männer ... die Jugendblüte der schönsten und reichsten Provinz des Vaterlandes ...

Und in ihrer Schar gab es zwei, von denen sie wußte, daß sie mitten im Drang ihrer Pflicht ... im sengenden Sonnenbrande ... beim Marsch auf staubüberwölkter Landstraße ... und beim Ansprung wider den Feind über den Sturzacker — die Stunden zählten, die sie noch vom Wiedersehen trennten — vom Wiedersehen mit ihr ...

Dies Wissen war beseligend und fürchterlich.

Was würde werden? Ihre Seele war schwer und glühend von der Ahnung eines Schicksals, einer nahen Entscheidung, einer Entscheidung, der sie wehrlos gegenüberstand, einer Entscheidung, die sie über sich ergehen lassen würde wie ein unabwendbares Elementarereignis, wie einen Wirbelsturm, wie ein erlösendes und zerschmetterndes Gewitter.

Ja, machtlos — willenlos fühlte sie sich gegenüber dem Geschick.

Die beiden andern waren ja die Männer ... die mochten handeln, die mußten entscheiden, was werden sollte.

Sie war das Weib ...! Ihrer harrte nur die äußere Pflicht, die Pflicht der Hausfrau und Gastgeberin — die würde sie erfüllen, korrekt und anmutig ... von ihrer Erziehung, ihrem Instinkt unfehlbar geleitet ... ohne daß an Willen und Entschluß irgendwelche Anforderungen gestellt wurden.

Das andere ... das würde kommen von draußen her, unhemmbar, unabwendbar ...