Und droben im Turmkämmerchen träumten zwei andere Herzen einem Wiedersehen ... träumten ihrem Schicksal entgegen ... ein Kinderherzchen, so willenlos wie die reife Frau im Banne dumpfer, triebhafter Gefühle — und ein fester straffer Mädchenwille, der während schlummerloser Nacht in Frische und Resignation über sein Leben beschlossen hatte.

Ja, Nelly Sassenbach wußte, was sie wollte ...!

Heut abend freilich würden die Herren erst spät ins Quartier kommen — es war beschlossen, sie in Ruhe zu lassen. Nur der Regimentsstab, der ohnehin dem Schlosse bestimmt war, würde zur Tafel erscheinen, und natürlich der neue Schloßherr, obwohl er offiziell mit seiner Kompagnie drunten im Dörfchen lag.

Die Herren der ersten und zweiten Kompagnie würden sich ausschlafen beim Ortsvorsteher und bei den andern wohlhabenden Bauern, deren Höfen sie zugewiesen waren, würden mit aller Bequemlichkeit gegen Abend in der Schankwirtschaft ihre Mahlzeit einnehmen und um neun zu Bette gehen.

Morgen aber ist Rasttag — da werden die Herren gründlich ausgeruht als Gäste der Schloßherrin auf Hettstein erscheinen — man wird festlich und fröhlich zusammen dinieren — wird im Park spazieren gehen.

Und dann — dann wird es geschehen — dann soll es geschehen!

Dann wird sie die Braut des hagern Gelehrten werden, des Schulmeistersohnes vom Westerwald, des miserabeln Reiters und Tänzers, des Mannes aus dem Froschtümpel, des Entgleisten vom Kasinoparkett.

Es war beschlossen — es würde sich vollziehen — sie wollte es. Und daß er die gleiche Sehnsucht hatte, das wußte sie, seit er ihr von seiner Mutter erzählt, im Regenbiwak unter der »Marscheider Burr«.

Ja, viel — gar viel Resignation steckte in diesem Entschluß.