Von den tiefen Nischen der Fenster des Schloßturms aus konnte man den Weg überschauen, der durch die buschigen Abhänge nördlich des Beierbachs empor sich schlängelte nach Hettenrodt zu ...
Von dort stieg jetzt, ein Pferd hinter dem andern, vorsichtig ein endlose Linie von Reitern in hellblauen Waffenröcken hernieder — Saarbrücker Siebente Dragoner. —
»Die sind nicht von den Unsern!« erklärte Nelly sachverständig, »seht, sie tragen Helmbezüge ... das ist der böse Feind; der ist jedenfalls geschlagen und muß sich zurückziehen ...«
»Geschieht ihm recht!« rief Molly mit blitzenden Augen.
Nun sprengte auf der Chaussee, die an der andern Seite des Schlößchens von Mackenrodt her in langen Zickzackwendungen ins Tal hinunterkroch, ein Trupp Artillerieoffiziere, gleichfalls in Helmbezügen, hart am Schloß vorüber, bergab ins Tal ... verschwand drunten zwischen den Häusern des Dörfchens und tauchte an der andern Berglehne wieder auf, galoppierte jenseits in das Seitentälchen hinein, das sich gen Vollmersbach hinaufzog. Sie schwenkten rechts ab, erschienen, klein wie Bleisoldaten, droben auf der kahlen Höhe ...
Und durch die Gläser konnten die Damen deutlich erkennen, daß sie droben Halt machten und mit ihren Feldstechern übers Schlößchen hinweg Ausschau hielten.
»Sie suchen eine Stellung für die zurückgehende feindliche Artillerie aus; die soll den Rückzug des gegnerischen Detachements decken!« wußte Nelly wiederum zu erläutern.
»Da werden wir ja das Kanonenkonzert aus allernächster Nähe zu genießen bekommen!«
Und richtig! — Nach wenigen Minuten rasselte eine schier endlose Artilleriekolonne die Chaussee hinunter, so schnell als der abschüssige Weg mit seinen zahllosen, scharfen Krümmungen es nur irgend gestattete.
Die Kanoniere saßen mit rauchgeschwärzten, staubbekrusteten Gesichtern auf den Protzkästen und hielten sich krampfhaft fest, um nicht beim Rumpeln der federlosen Gestelle abgeschleudert zu werden ...