Aber die gesenkten Nacken richteten sich straffer auf, als plötzlich bei der Wegwende vor ihrem Blick das schmucke Schlößchen mit seinen altersgrauen Mauern und der blinkenden Zier seiner Erneuerungsbauten, den roten Ziegeldächern, den blitzend weißen Fensterkreuzen auftauchte, von dunkelgrünen Efeupolstern und leuchtendrotem Rankengeriesel wilden Weins umwuchert ...

Und über den Rand der Gartenanlage beugten sich frische Mädchenköpfe ... das Hausfräulein und die beiden Mägde ...

Hei — wie das elektrisierte, wie Jugend da plötzlich die Jugend erschaute ... da reckten sich die matten Gestalten der Marschierenden empor, da flog ein endloser Schwall von Neckereien und derben Späßen zur Mauer hinan in allen Mundarten der rheinischen Gaue ...

Aber Glied um Glied wurde rasch von dannen gerissen im rastlosen Rückmarsch.

Mochten auch die Vorbeimarschierenden die Köpfe noch so sehnsüchtig umwenden — die Blicke der strammen Holden droben waren schon wieder weitergewandert, neuen Kömmlingsscharen entgegen.

Die Herren Offiziere aber hoben ihre Blicke noch etwas höher als bis zur Mauer der Gartenbastion ... sie strebten zum Balkon empor, wo in lichten Gewändern drei Frauengestalten aus ihrer eigenen Kaste sich zeigten ...

Hei — wie flogen da feurig kecke Blicke empor ... dorthin, wo die Damen standen ... die Damen ...

Aber auch sie mußten von hinnen, die stattlichen Stabsoffiziere und Hauptleute hoch zu Roß, die schlanken, in Staub und Schweiß noch eleganten und aufrechten Leutnants mit den häßlichen Wachstuchtornisterchen auf dem Rücken — dem »Schandfleck der Ritterlichkeit« — —

Und von dem vorüberrollenden Strom kriegerischen Lebens stieg ein Dunst zu der schönen, schlanken Herrin, den winkenden Mädchen und Mägden empor ... ein heißer, schwüler Dunst hochblühender, waffendienstgestählter, jugendprangender Männlichkeit, der ihnen den Sinn verwirrte ... einen Schwall weckte von unbewußten, unbegriffenen Sehnsuchtgefühlen ...

Doch endlich war der Strom vorübergerauscht.