»Gott ja ... das sieht alles so lustig ... so frisch und freudig aus, und man vergißt gar zu leicht, was für ein schauerlicher Ernst dahintersteckt —«
»Ja, ja — gut wär's, wenn sich unsre jungen Dächse da unten das auch manchmal ein bißchen mehr zu Gemüte führen wollten — wir Alten, wir wissen's ja freilich und werden's nie vergessen! — was meinen Sie, Sassenbach?!«
Zärtlich schielten die beiden alten Kämpfer nach dem Bande des Eisernen Kreuzes im Knopfloch ihrer Überröcke ... zu gleicher Zeit hoben beide die Gläser und tranken auf das Gedächtnis der großen Zeit vor neununddreißig Jahren, die sie beide als blutjunge Leutnants mit durchlebt und mit durchfochten ...
Cäcilie aber hatte nur mit dem Aufgebot ihrer ganzen Haltung dem Gespräch der beiden alten Herren folgen können ... in ihr schrie die unverbrauchte Glückssehnsucht ... schrie all das Verlangen, das Fritz von Brandeis nicht hatte stillen können ...
Gott, wie wunderlich ... wie verrückt ... wie unheimlich rätselschwer das Leben ... Wie wirbelte es die Schicksale, die Herzen der Menschen durcheinander ...
Da unten bei lautem Gelächter und Geplauder saßen sie nun einander gegenüber, die beiden Männer ... saßen inmitten der Kameraden, schwatzten, tranken, tauschten hundert harmlose, lustige und tragikomische Manövererlebnisse aus ...
Und wenn dann einmal einer von ihnen beiden in einer unbewachten Sekunde sich vergaß ... dann sank urplötzlich die glatte Maske ... und der eine jetzt, der andere nun, starrte tief versonnen in sein Sektglas ... und auf eines jeden Gesicht lag dann plötzlich Spannung, Kampf und Qual ...
Und das alles ging um sie.
Martin Flamberg hatte einmal in einem solchen Moment der Versunkenheit rasch und heimlich ein Briefchen aus der Tasche des Überrocks gezogen und es unterm Tisch mit hastigen Blicken überflogen ...
Cäcilie wußte: ein Brief seiner Braut ... ein Brief des fernen, bang und selig harrenden Mädchens, dem in wenigen Tagen in Wirklichkeit die Hochzeitsglocken läuten sollten ...