Nur der blutjunge Avantageur und der kindlich harmlose Carstanjen freuten sich ohne Hinterhalt der Gunst der Stunde ... futterten mit Knabenappetit von all den guten, langentbehrten Sachen ... kosteten mit glänzenden Augen die edeln Weine ... stopften, genäschig wie Pensionsmädel, Konfekt und Obst ...
Und mit der unerschütterlichen Gemütsruhe einer wohlgeordneten Daseinsführung, die keine Leidenschaft, keine Herzensstürme kannte, nichts als brave Pflichterfüllung und maßvoll harmlosen Lebensgenuß — selbstgenügsam und selbstzufrieden saß der Leutnant Blowitz inmitten der Tafelrunde, auch er wachsam, beobachtend, doch innerlich unbeteiligt ... nichts als Soldat ... nichts als eine Uniform mit einem Etwas darin, dessen ganzer Ehrgeiz nur war, Ehre zu machen dem Rock, in dem es steckte ...
Ach, wie beneidenswert ein solches Temperament ... ein solch unsträflicher, Gott und Menschen wohlgefälliger Wandel ...
War nicht ihr Fritz auch so einer gewesen? — war das nicht eigentlich seine Natur ... und die bittern Zweifel ... die jähe Wirrnis, in die das Schicksal ihn gestürzt — waren sie nicht über seine Kraft?
Frau Cäcilie sah gar wohl, wie tief er litt ... welch unfaßbare Anstrengung es ihn kostete, die lächelnde Miene des vornehmen Gastgebers, des allerwärts liebenswürdigen Wirtes zu bewahren, während er sein Glück, sein Leben wanken — wanken fühlte — —
Wie er ihr so leid tat, ihr guter prächtiger Fritz ... sie litt mit ihm ... in seine Seele hinein ... so mußte eine sorgende Schwester mit einem herzlich geliebten Bruder leiden ... und konnte sie ihm helfen ... konnte sie —?
Ein Blick in Martin Flambergs Gesicht — und sie wußte — der da war der Herr ihres Lebens ... was er erwählen würde, war ihre Wahl ... was er von ihr fordern würde, das würde sie tun.
Die Hausfrau hatte die Tafel aufgehoben, und der kleine Kreis der Gäste schwärmte nun in den Schloßgarten, um den Kaffee zu nehmen.
In tiefem Frieden verglomm der Spätsommertag ... sein letzter Abglanz lag auf den jenseitigen Höhen ... Dunkelheit umschleierte schon das Dickicht des Schloßparks, der von den gartenartig angelegten Terrassen der alten Bastionen her sich an den Abhängen des Beiertales, rechts und links des Baches, hinzog ...