Vorn, wo zwischen den üppig wuchernden Bosketten heimliche Lauben winkten, deren weißlackierte Stakete fast völlig unterm dicken Gerank des Jelängerjelieber, des Pfeifenkrauts, des wilden Weins verschwanden, erhellten bunte Lampions mit mattem Glimmen die Dämmerung ...

Weiter rückwärts, am Berghang lagerten schon tiefe, schwarze Schatten über den Wegen, die sich ins Dunkel der Parkgehege verloren.

»Kommen Sie, Herr Frobenius,« sagte Nelly, »ich muß Ihnen jetzt den Aussichtspunkt zeigen, von dem ich Ihnen bei Tisch erzählte ... er liegt ganz oben am Parkrand ... wir müssen das letzte bißchen Tageslicht benutzen, sonst wird es ganz finster, und wir kommen überhaupt nicht mehr hin ... Ihren Kaffee kriegen Sie später, wenn wir zurückkommen!«

Ihre Stimme hatte leise gezittert bei den hastigen Worten — und Wilhelm Frobenius fühlte sein Herz hoch klopfen, genau unter dem Fleck, wo auf seinem dunkelblauen Waffenrock die Landwehrdienstauszeichnung zweiter Klasse sich breit machte, diese geschmackvolle Dekoration, deren Form die Offiziere des Beurlaubtenstandes mit den altgedienten Unteroffizieren gemein hatten ...

In einer längst nicht mehr gekannten Erregung folgte er der schlanken Führerin in die Dunkelheit ...

Ja — nun kam es, das Unabwendbare ... nun würde er die Frage wagen, die ihm längst das Herz abpreßte! — Und natürlich würde sie ihn auslachen ... schneidend und grimmig auslachen, wenn er überhaupt so weit kam — wenn nicht schon vorher irgendeine neue unerhörte Lächerlichkeit ihm das Wort abschnitt — —

Herrgott, wenn's nur nicht so finster gewesen wäre! — Kaum wie einen matten Nebelfleck konnte er noch das weiße Kleid seiner Führerin erkennen ...

»Nehmen Sie sich in acht!« klang Nellys Stimme aus der Finsternis, »die Wege sind sehr schmal ... folgen Sie mir nur, ich weiß genau Bescheid!«

Da — ein dumpfer Krach! — Feuer und Funken sprühten dem Gelehrten durch den Schädel —

»Meine Brille — um Gottes willen, gnädiges Fräulein, meine Brille!«