Aber aus den ungefügen Worten des alten Soldaten leuchtete herzliches Wohlwollen, und obwohl manches Lächeln der Hörer seine gewaltigen Kraftanstrengungen begleitete, klang doch das dreifache Hurra auf die eingezogenen Herren, in das er seine Rede ausmünden ließ, kräftig und munter durch den Saal. — Die Begrüßten beeilten sich, mit dem Major anzustoßen, und nun die letzte offizielle Handlung des Begrüßungstages überstanden war, atmete alles auf, und es löste sich der letzte Rest von Förmlichkeit und Zurückhaltung.

Kreuz und quer durch den Saal schollen die Rufe der Tafelnden, die einander zutranken. Mit vorschriftsmäßigem Ruck schnellten die Angerufenen in die Höhe, wenn der Major oder einer der anwesenden Hauptleute einem der Leutnants oder gar der zur Tafel zugezogenen Vizefeldwebel der Reserve, Fähnriche oder Fahnenjunker zutrank; aber regelmäßig winkte der Anrufende, Platz zu behalten — nur die Pflicht blieb bestehen, als Dank für den Zutrunk des Vorgesetzten sein Glas bis auf die Nagelprobe zu leeren.

Flamberg saß zwischen seinem Kapitän, dem semmelblonden Herrn von Brandeis, und dem flaumbärtigen Kompagniekameraden, Leutnant Carstanjen, dem Sohn einer reichen niederrheinischen Fabrikantenfamilie.

Zunächst mußte natürlich Flamberg erzählen.

»Na, Flamberg, Sie sind ja inzwischen sowas wie'n berühmtes Tier geworden — alle Augenblicke hat man im Lesezimmer in den illustrierten Zeitschriften irgend so'ne Pinselei von Ihnen abgebildet gesehen — natürlich immer die schönsten Weiber des europäischen Kontinents — Sie Schlemmer, Sie ...«

»Haben Herr Hauptmann etwas anderes von mir erwartet?«

»Ne, ne — ich weiß wohl, Sie hatten ja damals schon 'nen starken Hang fürs ewig Weibliche! Erinnern Sie sich noch, wie wir damals in Mechernich in der Eifel mit der ganzen Kompagnie in der schauderhaften Kneipe einquartiert wurden und für Sie und für — na, wer war's doch damals? Quincke wohl ...?«

»Jawohl, ganz recht, Quincke, Herr Hauptmann!«

»Na also — für Sie beide nur dadurch Quartier zu schaffen war, daß die beiden Töchter des Wirts aus ihrem Jungfernstübchen 'rausgewiesen wurden und oben auf dem Heuboden kampieren mußten. Damals haben Sie die beiden Mädels gezeichnet. Erinnern Sie sich noch? Na, nachher waren sie nicht von Ihnen wegzuschlagen — alle beide — was? Ja, an sowas läßt man sich natürlich nicht gern erinnern, wenn man inzwischen Bräutigam geworden ist!«

»Oh, was das anbetrifft, Herr Hauptmann: das Wort ›bereuen‹ kommt in meinem Lexikon nicht vor.«