Die Mütze sitzt auf einem Ohre,
und keine Waffe schmückt uns aus!
»Herrgott von Bentheim!« fluchte Leutnant Carstanjen, »dieses verdammte Reservistengegröhle wächst einem, weiß der Himmel, zum Halse heraus!«
Flamberg lächelte: »Das wird Sie wohl Ihr ganzes militärisches Leben hindurch begleiten, lieber Freund! Und wenn Sie sich einmal die Mühe geben wollen, sich in die Gefühle der Burschen, die da singen, hineinzuversetzen, dann wird's Ihnen seltsam wohl und weh dabei werden — dann werden Sie anfangen, die Würde des hohen und herrlichen Berufs, den Sie haben, ein wenig tiefer zu begreifen! — Was da singt und jubelt, das ist das Heimatverlangen der deutschen Jugend, die euch anvertraut ist zur Erziehung in Waffenkunde und Mannhaftigkeit. — Die Gefühle, mit denen diese Leute das Reservelied singen, sind die Gradmesser für eure Berufstüchtigkeit — wenn sich in diese Heimkehrseligkeit nicht auch ein unverstandenes Gefühl von Abschiedswehmut mischt, wenn diese Leute nicht in spätern Jahren mit leuchtenden Augen und geheimem Erinnerungsschmerz am Stammtisch, im Familienkreise, in der Schar ihrer Kinder von der Zeit erzählen, da sie den bunten Rock trugen — von Ihnen erzählen, kleiner Carstanjen — ihrem muntern, liebenswürdigen kleinen Zugführer, dem es zwar zuweilen auf eine Handvoll Schweinehunde und Kamelsnasen nicht ankam ... der aber doch im Grunde seines Herzens ein todguter, lebensfreudiger und grundehrenwerter Junge war, der in seinen Rekruten und alten Kerlen etwas mehr sah als bloß die Objekte einer lästigen, stumpfsinnigen Berufstätigkeit — wenn das nicht so wäre — dann sähe es schlimm aus um unser deutsches Heer ... um unser deutsches Volk ...«
»Jesses, Jesses, er predigt — die Reserve predigt!« rief Carstanjen mit komischem Entsetzen und doch innerlich gepackt — ein wenig geschmeichelt — ein wenig ergriffen aber auch — »Junker, schnell 'ne neue Pulle! —«
Da trat ein Füsilier, es war der Pferdebursche des Majors von Sassenbach, zu den Herren heran, stand stramm: »Der Herr Major läßt die Herren Offiziere bitten, ins Bataillonsstabszelt zu kommen zu einer kleinen Bowle!«
»Wir werden kommen!« sagte Flamberg. »Ja, einer von uns muß natürlich bei der Kompagnie bleiben — also zunächst mal Sie! Ich löse Sie nachher ab — also auf Wiedersehen!«
Ein siedender Schreck hatte Martin plötzlich durchzuckt, als die Ordonnanz des Majors herangekommen war ... Auf die hatte er ja den ganzen Tag gewartet ...
Und nun erging der Ruf zu einem fröhlichen Zechen —!? Also die Stunde der Abrechnung war noch immer nicht da ... der Major wußte noch von nichts ...?!
Natürlich, jetzt saß Brandeis drüben im Dorfe, wo der Brigadestab lag, mit seinem General zusammen, studierte die Korps- und Divisionsbefehle für morgen — redigierte den Brigadebefehl — —