Beim letzten Glosten der zuckenden Flämmchen, die den mächtigen Aschenhaufen umschwelten, las er ein Briefchen:
»— — Du sollst nicht heut und nicht morgen kommen, lieber Hans. Du sollst noch ein paar Jährchen warten, bis Du Deinen Assessor gemacht hast. Wenn Du mich dann nicht leid geworden bist, dann komm und hol mich — wenn ich dann noch da bin. Wir sind ja beide noch Kinder, und ich weiß nicht, ob nicht einem von uns beiden doch mal einer begegnen wird, der ihm lieber ist als die Erinnerung an einen heißen Kuß im Garten des Offizierkasinos — weißt Du noch, mein Hans?! Wenn das kommen sollte, dann soll keiner von uns sich an den andern gebunden halten. Ich glaub's ja nicht, daß es mir passieren wird, ich sag's auch mehr Deinetwegen als meinetwegen. —
Aber — man kann nicht wissen —!
Also — leb wohl, mein Süßer, und denk manchmal an mich!
Vielleicht einmal, vielleicht — —!
Molly v. S.«
Hans Friesen fuhr sich über die Stirn.
Sie hatte ihm die Freiheit wiedergeben wollen ... wie schön das war ... und wie klug ...
Und auch in ihm tönte die Choralweise nach ...
Jetzt in das dumpfe Zelt kriechen, wo die Kommißunteroffiziere schnarchten —? Nein ...!