Eine halbe Stunde nach dem Einrücken der Ersten und Zweiten führte der Unteroffizier Friesen sein trauriges Fähnlein Verirrter in den Kasernenhof hinein.
Er hatte sich vorgenommen, seine zwei Gruppen nun wenigstens vorschriftsmäßig in strammem Tritt auf den Kompagnieappellplatz rücken zu lassen, und hatte sich die Kommandos genau überlegt, die er abzugeben hätte, um mit seiner Schar in tadelloser Verfassung auf der Bildfläche zu erscheinen.
Aber kaum hatte er: »Tritt gefaßt!« kommandiert, da erschien am Fenster der Kompagniestube das zornwütige Gesicht des Feldwebels Düfke, der den Unteroffizier anbrüllte, daß es über den ganzen Hof schallte: »Herrgott, Sie Unglückswurm! Da sind Sie ja endlich! — Nun machen Sie bloß, daß Sie vom Kasernenhof 'runterkommen! — Verschwinden Sie, verschwinden Sie in Dreideubelsnamen!«
»In's Kasernentor, marsch marsch!« schrie Friesen voller Wut und Scham.
Und feixend stürmten die Füsiliere von dannen.
Nun kam das Donnerwetter Nummer eins vom Feldwebel. Kaum war das überstanden und der Einjährige entlassen, da lief er draußen seinem Kompagniechef, dem Hauptmann Goll, in den Weg, und das Donnerwetter Nummer zwei prasselte auf seinen sündigen Scheitel nieder.
Ganz begossen schlich er sich auf die Stube, auf der sein Putzer lag, um die feldmarschmäßige Ausrüstung abzulegen.
Da trat ihm, treuherzig schmunzelnd, der wackere Füsilier Zilles entgegen, sein liebster Kamerad unter den Mannschaften: »Herr Unner'ffzier, warum hann Se mich denn nit mitgenomme uff Pattrollje! Dann wär dat Mallör nit passiert!«
»Ja, Zilles, wie sollt ich das anfangen!? Sie stehn doch beim zweiten Zuge, und ich bekam die beiden Flügelgruppen vom ersten! — Na, nun machen Sie mal schnell, daß ich instand komme: erste Garnitur, Helm und Extrastiefel!«
Einer der ersten Regimentsbefehle des neuen Kommandeurs war der gewesen, daß Unteroffizieren, Einjährigfreiwilligen und Mannschaften das Tragen unvorschriftsmäßiger Extrauniformen außer Dienst verboten sei.