Wilhelm Frobenius wußte sich zu trösten. Die dienstfreien Nachmittage, die kurzen Abendstunden benutzte er, um den Grundriß seiner Vorlesung für das künftige Wintersemester zu skizzieren, die das Drama des Naturalismus zum Gegenstande haben sollte.

Von Tag zu Tag hatte er die peinliche Pflicht aufgeschoben, sich bei seiner Retterin, der Tochter seines Bataillonskommandeurs, für den siegreichen Kampf mit Kuno dem Schrecklichen zu bedanken.

Für einen Menschen, der, wie er, so sicher im Kreise seines Wirkens und Schaffens zu stehen gewohnt war, mußte es ein peinlicher Gedanke sein, eine gesellschaftliche Komödie zu spielen, die für sein inneres Leben keine Bedeutung hatte und ihm doch eine Reihe von Empfindungen bringen mußte, welche die Ruhe seines Herzens gefährdeten — diese schöne Ruhe, die ihm um so wertvoller war, seitdem er eine neue Arbeit begonnen ...

Ja — die Ruhe seines Herzens gefährdeten! —

Denn, so albern ihm das auch vorkam — bei der Erinnerung an jene Szene auf der Chaussee regte sich in ihm noch etwas anderes, als bloß das Gedenken an eine peinliche und lächerliche Blamage. Es war ein dumpfer, uneingestandener Schmerz in ihm, daß seine Retterin aus der so lächerlichen wie gefährlichen Situation nicht nur eine Dame, daß es ... just diese Dame gewesen!

Sein arbeitsames, entsagungsvolles Jugendleben hatte ihn nicht allzu häufig in gesellschaftliche Berührung mit Damen jener Kreise gebracht, denen er seiner Lebensstellung nach heute angehörte.

Die Unzulänglichkeit seiner Verkehrsformen machte ihm das offizielle Gesellschaftstreiben zur sinnlosen Qual und ließ ihn ganz erkennen, wie inhaltleer eigentlich doch all jene Formen des Beisammenseins seien, die überhaupt Männer und Frauen seiner Kreise zusammenführten.

So war sein Verkehr fast gänzlich auf die gleichfalls unverheirateten Gelehrten jener Hochschulen beschränkt gewesen, an denen er bisher gelernt oder gelehrt hatte.

Aber nicht ungestraft beschäftigt man sich ein Leben lang mit den Schöpfungen der Kunst, der Poesie ...

Denn was ist ihrer aller Mittelpunkt? — —