Der Frühling ist erwacht, erwacht!

Der Frühling ist erwacht!«

»Ah, ihr musiziert? — Das ist recht ... und so lustig! — Das freut mich! Entschuldige, liebes Kind, daß ich so spät komme ... und auch Sie, lieber Flamberg ... danke Ihnen, daß Sie meiner Frau Gesellschaft geleistet haben ...!«

— — An diesem Abend vergaß Martin Flamberg zum ersten Male, vorm Schlafengehen am Sternenhimmel Agathens Augen zu suchen.


Am 17. August, am Vorabend des Tages von Gravelotte, wurde das Regiment aus der Stimmung der Festvorbereitung durch eine plötzliche Trauerkunde gerissen: Seine Durchlaucht der Erbprinz von Nassau-Dillingen, der Kommandeur des rheinischen Armeekorps, war nach kurzer Krankheit in Koblenz gestorben.

Wenige Stunden nach Ankunft der Trauernachricht kam auch bereits die Allerhöchste Kabinettsorder, nach welcher die Offiziere des Armeekorps auf vierzehn Tage Trauer anzulegen hatten.

In dieser Zeit eine große Feierlichkeit mit Musik und Tanz zu begehen, das wäre nicht schicklich erschienen. Und so mußte das lange vorbereitete Regimentsfest bis zu einem andern großen nationalen Gedenktage, dem Tage von Sedan, aufgeschoben werden. Dieser Tag hatte sonst für das Regiment nur die allgemeine patriotische Bedeutung, nicht die spezielle eines Ruhmestages: denn das rheinische Armeekorps hatte ja bei Sedan nicht mitgefochten.

In anderer Beziehung aber klappte es mit der Verlegung recht hübsch. Der 2. September fiel nämlich auf einen Sonntag. Und da am Dienstag, den 4. September, die Abfahrt ins Manövergelände im Hunsrück angesetzt war, so blieb Montag, der 3., zum Packen, und das Regimentsfest wurde so, außer einem Begrüßungsfest für die Kommandeuse, zugleich ein Abschiedsfest.

Für die aktiven Herren bedeutete das Ausrücken ins Manövergelände einen dreiwöchigen Abschied aus der Garnison.