Die Offiziere des Beurlaubtenstandes würden überhaupt nicht mehr in die Garnison zurückkehren; sie würden sich am letzten Manövertage nach Schluß der Übung bei der Kritik abmelden können und galten damit als entlassen, um von der nächsten Bahnstation aus auf dem kürzesten Wege in ihre Heimat zurückkehren zu können.
— Die letzten Wochen vor dem Feste waren verhältnismäßig ruhig verlaufen.
Martin Flamberg hatte das Bild der Frau von Brandeis vollendet, und damit war für ihn die Veranlassung zu seinen regelmäßigen Besuchen in der Villa Brandeis weggefallen, nachdem im Kreise der Intimen des Hauses bei einer Sektbowle »Firnistag« gefeiert worden war ...
Am folgenden Morgen hatte Hauptmann von Brandeis auf dem Rückmarsch von der Felddienstübung den hinter ihm marschierenden Flamberg an die Seite seines Pferdes gewinkt und hatte mit ihm in schnellerem Tempo einige Schritte Vorsprung vor der marschierenden Kompagnie gewonnen:
»Nun sagen Sie mal, lieber Flamberg, wir wollen uns ganz offen darüber aussprechen — und ich denke, Sie nehmen mir das wohl nicht übel — Sie haben mir da das ersehnte Bild meiner Frau gemalt. Und Sie wissen ja, ich bin in ganz erfreulichen Verhältnissen. Bitte, machen Sie mir jetzt Ihren Preis, und genieren Sie sich durchaus nicht, die Sätze zu berechnen, die Sie auch sonst von Ihren Auftraggebern beanspruchen.«
Martin Flamberg sann einen Augenblick nach. Er fand es sehr richtig und vornehm von Herrn Brandeis, daß er es seiner, des Malers Entscheidung überließ, wie er die Angelegenheit auffassen wolle:
»Ich bitte ganz gehorsamst, Herr Hauptmann, mir gestatten zu wollen, meine Arbeit Ihrer Frau Gemahlin als bescheidenen Ausdruck meines Dankes für liebenswürdige Gastfreundschaft zu Füßen zu legen, und Ihnen, Herr Hauptmann, als gleich bescheidenen Dank für die gütige Aufnahme, die ich schon zum zweiten Male bei der Königlichen Ersten gefunden habe!«
Brandeis markierte liebenswürdige Verlegenheit: »Aber lieber Flamberg, wie soll ich das nur wieder gut machen?«
»Das haben Herr Hauptmann bereits vorher getan! Nur eine Bitte möchte ich mir gestatten auszusprechen, vorausgesetzt selbstverständlich die Zustimmung Ihrer verehrten Frau Gemahlin: ich möchte bitten, mir zu erlauben, das Bild im nächsten Frühjahr in Berlin auszustellen!«
»Na, lieber Flamberg — — selbstverständlich werde ich ja den Fall mit meiner Frau besprechen müssen ... aber ich zweifle nicht im geringsten daran ... daß sie stolz sein wird, in solch einer meisterhaften Verkörperung ... vor der staunenden Mitwelt paradieren zu dürfen ...«