Die Welt ist grau, die Nacht ist fahl,
Mein Haupt zum Pferdehals geduckt,
Träum' ich, wie hell durchs Todestal
Mein Strom einst klang lichtüberzuckt …
Mein Fuchs geht immer gleichen Tritt
Voran, entlang dem grauen Zug,
Und graue Reiter reiten mit,
Die er vor mir im Sattel trug. –
Bei Nacht zogen wir uns hinter die natürliche Verteidigungsstellung der Seensperre zurück, hoben in größter Eile Gräben aus und ließen den Gegner anlaufen. Tag und Nacht schanzten unsre Leute. Rings um die Seen brannten die Russendörfer nieder, rotlodernde Leichenfackeln des sterbenden Krieges. Und wieder monatelanges Stilliegen in Schützengräben wie einst auf den Maashöhen vor Verdun und in den Wäldern vor Augustow. Und doch alles anders. Wie ein ferner, schöner Traum lagen die lauen Sommernächte hinter uns, die wir singend und plaudernd durchwacht hatten. Jetzt türmten sich Schneewälle um unsre Erdhöhlen. Schneidende Ostwinde fegten das graue Eis der Seen und peitschten nadelscharfe Kristalle gegen die wachtmüden Augen. Dreizehn und vierzehn Stunden dauerte das nächtliche Horchen und Lauern der Wacht im Osten.
Eisgrauer See,
Mondheller Schnee …
Wie lang' noch soll ich schreiten
Das kalte Schwert zur Seiten?
Wie lang' währt Mord und Streiten?
Weh', Russenerde, weh' –!
Einsame Wacht,
Schneekühle Nacht.
Es knarrt der Frost im Eise,
Der Sturm singt harsche Weise,
Der Friede, den ich preise,
Der ist in Bann und Acht.
Brandhelle loht!
Mord, Haß und Tod,
Sie recken ob der Erde
Zu grauser Drohgebärde,
Daß niemals Friede werde,
Schwurhände blutigrot.
Was Frost und Leid!
Mich brennt ein Eid.
Der glüht wie Feuersbrände
Durch Schwert und Herz und Hände.
Es ende drum, wie's ende –
Deutschland, ich bin bereit.
Die Zeit schlich durch die Winternächte hin so träge wie eine Flamme, die sich schwelend durch feuchte Buchenkloben frißt …