36) Er soll ein sehr erfolgreicher Industrieller geworden sein, der in jungen Jahren mittellos aus Litauen nach Ostpreußen kam, mit einem jüngeren Bruder, den er studieren ließ und der als Beamter und Wissenschaftler in preußischen Statistischen Ämtern eine Karriere machte und den Geheimratstitel erhielt. Das war dann wohl der früheste in meiner Familie, aber ich habe keine Details darüber gefunden.

37) Paul Gerber war Hals­, Nasen­ und Ohrenarzt, Professor an der Universität Koenigsberg, auch mit Geheimratstitel, veröffentlichte aber auch Gedichte und auch kleine politische Schriften, so eine um 1918 betitelt "Goethe und die französische Revolution, ein blaues Trostbüchlein in roter Zeit". Politisch gehörte er zur Deutschnationalen Volkspartei, er starb schon jung 1919.

38) Er war Assistenzarzt des bekannten Dr. Flügge und danach, bis er 1914 in den Krieg ging, Oberarzt des Dr. Pfeiffer in Breslau. Als Student gehörte er zum "Akademisch Literarischen Verein" in Breslau.

Anmerkungen zu "Kindheit und frühe Jugend"

1) Es gibt dafür Hinweise in der nach dem 2.Weltkrieg sich profilierenden Literatur über Anzeichen von Antisemitismus in Deutschland vor der Hitlerzeit.

2) An Encyclopaedia of World History ed. W. Langer, London 1948, S.936.

3) Verfasser der Geschichte der Stadt Kattowitz (1895), hatte lange dort gelebt, mein Vater kannte ihn gut. Wie mir erzählt wurde, verließ er mit anderen seine Burschenschaft aus Protest gegen den Ausschluß jüdischer Altburschenschaftler, also ein liberaler Zug, aber in die Weimarer Nationalversammlung ging er 1919 als deutsch­nationaler Abgeordneter.

4) Über die sprachliche Verhältnisse im Regierungsbezirk Oppeln zu Beginn des 19. Jahrhunderts heißt es im "Handbuch zu dem Atlas von Preußen" (Erfurt, 1836): "Die herrschende Sprache ist die polnische, um Neisse und Grottkau wird ganz, um Falkenberg und Neustadt viel deutsch, in den Kolonien Friedrichgrätz, Buddenbrock und Prittwitz böhmisch, an der österreichischen Grenze mährisch gesprochen" (S.l91). Dann werden die einzelnen Kreise besprochen, so zu Beuthen: "die Sprache der Bevölkerung ist fast überall polnisch", Lublinitz: "die polnische Sprache ist fast überall die herrschende", Kreis Neustadt: "die Sprache ist um Neustadt die deutsche, übrigens wird mehr polnisch gesprochen", Kreis Pless: "In Pless wird deutsch, übrigens polnisch gesprochen", Rybnik: "die Einwohner, welche sich der polnischen Sprache bedienen…" (S.207).

Exkurs

Die Struktur der polnisch­sprechenden Bevölkerung hatte sich mit der Zeit geändert. Es hatte nicht nur polnische Landbevölkerung gegeben. Noch im 18. Jahrhundert waren viele Städte katholisch und polnisch sprechend. Durch die schnelle Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstand dann eine starke polnische Industriearbeiterschaft, bei der nationale polnische Bestrebungen einen ebenso aktiven Anklang fanden wie bei der bäuerlichen polnischen Landbevölkerung. Andererseits gab es aber auch zunehmende Assimilation (Germanisierung), besonders bei Intelligenz und wirtschaftlich gehobeneren Schichten. Das preußische Schulwesen und die Anziehungskraft des damals hauptsächlich von der deutschsprechenden Bevölkerung vorwärts getriebenen wirtschaftlichen Fortschritts verfehlten nicht eine gewisse Wirkung. So finden sich unter den deutschsprechenden und deutschgesinnten Oberschlesiern viele mit polnischen Namen.