Der Freund

(allein, öffnet das Fenster):

In den Wagen stoßen sie ihn. In Ketten! Nun stellt auf die Guillotine, ihr Henker! Euer Kopf wird fallen. (Er kommt nach vorne.) Er wird es tun. Triumph! — Hier ist meine Kraft zu Ende. (Er sinkt in einen Stuhl.) Mir scheint, an mir ist die Reihe ... (Er betrachtet sich wie ein Photograph.) Ist die Pose gut so? Bitte recht freundlich! Wer knipst den Moment der Verwesung? (Er zieht eine kleine Flasche hervor.) Nichts mehr als diese Sensation auf der Erde — das ist wenig. Man sollte nicht an sein Ende denken. (Er öffnet die Flasche und riecht daran.) Verdammt! Die Neugierde ist groß. Stirbt man wirklich aus Interesse? Könnte man die Memoiren dieser Sekunde schreiben!? Aber der Ruhm ist traurig, und die Kunst reizt nicht mehr.

Nein, lieber so.

Und selbst wenn er die Tat begeht, was ist geschehn? Er lebt und wird mich doppelt hassen — wenn der Mantel fällt.

Was hab ich ihm denn zugeredet? Ich werde verduften und mich Lügen strafen. Die Bejahung des Lebens ist nur einem Spitzbuben erlaubt, der im voraus weiß, wie er endet.

Es wird Zeit.

Monologe, bevor man stirbt, sind häufig. Ich lebte zu meiner Zufriedenheit. Ich schwör es: der Wahnsinn soll mich hier nicht erreichen! Ich komme den Geistern zuvor — (Er gießt die Flüssigkeit in ein Glas und besinnt sich.) Herrliche Dinge fallen mir ein. Geist-Fabrikanten könnten an meinem Tode reich werden. Teufel, weshalb rede ich noch! Ich fürchte mich, so allein ins Jenseits zu traben!!! (Er springt zitternd auf und horcht.) Was ist da: ein Schritt auf der Treppe? Das wird die süße Adrienne sein! Der Himmel gab ihr einen Beruf: sie soll mir die Vernichtung in einem Tropfen Champagner reichen ...

(Er geht ihr entgegen.)

Ende des vierten Aktes.