Ich fürchte dich nicht! Du bist alt. Du wirst mich nicht mehr zertreten in eifernder Selbstigkeit. Wehe dir, wenn du deinen Fluch rufst in die Gefilde dieses Glücks — er fällt auf dich und dein Haus!

Und wenn du mich mit Stockhieben von dir treibst — hab ich einst gebebt vor dir in armer und heimatloser Angst — ich werde dich nicht mehr sehn, nicht deine Tyrannenhand und nicht dein graumeliertes Haar: nur die mächtige, die stürzende Helle über mir. Lerne begreifen, daß ich in eines andern Geistes Höhe entschwebt bin. Und laß uns in Frieden voneinander gehn.

Der Vater:

Mein Sohn, es ist kein Segen über dir! ... Wie, wenn ich dich jetzt ziehn ließe in deiner Verblendung? Laß dich warnen vor den süßen Würmern dieser Melodie. Willst du mich nicht begleiten an die Betten meines Spitals (höhnisch): da krümmt die Röte deiner Jugend sich verdorben in Schaum und Geschwulst, und was aus deinem Mund sich beschwingt in die Lüfte erhob, bricht als Wahnsinn in des Verwesenden traurige Flur. So zerreißt Gott die Flügel dem, der in Trotz und Hochmut entrann! Stoß in dieser Stunde meine Hand nicht zurück, wer weiß, ob ich sie je dir so warm wieder biete.

Der Sohn:

In deiner Hand ist mancher gestorben, dessen Nähe uns umwittert. Aber was sind all diese Toten gegen mich, der ich in Verzweiflung lebe! Wär ich vom Krebse zerfressen, hättest du mir jeden Wunsch erfüllt. Denn ein Kranker, dem niemand helfen kann, darf noch im Rollstuhl an die Küste der blauen Meere fahren. Ihr Lebenden, wer rettet euch! Du rufst das Grauen aus den Gräbern auf; doch dem schönen Glücke mißtrauen darf nur, auf wessen Haupt die Drommete des Todes erschallt ist. Aus zwanzig Jahren, aus zwanzig Särgen steig ich empor, atme den ersten, goldenen Strahl — du hast die Sünde gegen das Leben begangen, der du mich lehrtest, den Wurm zu sehen, wo ich am herrlichsten stand —

Zerstäube denn in den Katakomben, du alte Zeit, du modernde Erde! Ich folge dir nicht. In mir lebt ein Wesen, dem stärker als Zweifel Hoffnung geblüht hat.

Wohin nun mit uns? In welcher Richtung werden wir schreiten?

Der Vater

(geht nach links und verschließt die Türe):