»Nun?«
In seinem zermarterten Gesicht war die Sorge, die ihn zerfraß.
»Ja, du kannst ihm vertrauen.«
Er wiegte den Kopf hin und her:
»Er hat so aufrichtig darein gesehen an Leos Grab. ‚Wer weiß, ob das Leben nicht nur Vorbereitung ist auf den Tod, das wahre menschenwürdige Sein, das dann erst beginnt; darum wollen wir ihm die Ruhe gönnen’, so hat er gesagt, Hilde, damals. Ich weiß es Wort für Wort!«
Er hielt inne, um seines Schmerzes Herr zu werden, der bei der Erinnerung vorbrach. Dann begann er wieder in ferner Gedankenqual: »Es ist so schwer, das Rechte im Leben zu treffen, jedes Wort ist so verantwortungsvoll; ich hab' immer das Beste gewollt ...« Ein stockender Seufzer schwellte seine Brust: »Leo ist tot, Clo muß auch nicht glücklich sein: sie hat so geweint am Grabe und mich gebeten, ihr beizustehen, wenn's mal so weit mit ihr ist.« Er nickte ein-, zweimal: »So hat es kommen müssen.«
Ueber das Wolkengrau im Westen lief ein fahler Schein. Ferner Donner grollte über die Felder, auf denen die Grillen sangen.
Hilde legte sich tröstend an den Mann, dem sein Lebensabend so unfroh geworden war.
»Hab' Vertrauen, Vater, es kommen wieder fröhliche Tage.«
Er machte sich los und sah ihr tief in die Augen; dann fragte er: »Liebst du Hansen?«