Sie zuckte zusammen.
Wie mußte es Vater aufnehmen, wenn sie ihn auch verlassen wollte? Doch vielleicht war jetzt die richtige Stunde, seinen Widerstand zu besiegen. Seine Augen ruhten ernst auf ihr, beinahe ängstlich, als hoffte er auf ein Wort, das ihm wieder Glauben leihen sollte fürs Leben. Sie sah nach dem roten Fleck jenseits der Berge, wo die Sonne gestorben war, und richtete sich auf:
»Ja«, sagte sie mit festem Wort.
Eine Weile stand er regungslos. Dann sagte er heiser: »Hilde, so ein Wort bindet auf ewig und ist doch zu leicht gesprochen. Du mußt ihn lieber haben als dein eigenes Leben, mußt es freudig für ihn geben! Kannst du das?« Angst redete aus seinen Worten.
Sie nickte.
»Du mußt nur an ihn denken! Jede seiner Sorgen ist eine doppelte für dich. Du mußt auf alles verzichten können für ihn.«
»Das kann ich.«
Er sah sie an mit flackernden Blicken. In seinen Augen kämpften fremde Gewalten. Sie gewannen die Oberhand. »Das hat noch jede gesagt,« seine Finger griffen erregt durch die Luft, die heiß wie Brodem über die Felder strich, »noch jede!« Er lachte, daß die Laute schneidend Hilde ins Ohr gellten, »in Schwüren gelobt und nie gehalten. Das Weib ist schwach und elend!« Er richtete sich auf: »Daß du mir nimmer davon sprichst! Du bist ein töricht Kind. Das einzige, was Bestand hat, ist Geld, und das hat Hansen nicht.«
»Vater!« In heißer Entrüstung flammten Hildes Augen.
»Schweig!« Klaus Tiedemann wendete den Schritt: »Das Wetter zieht näher; wir wollen nach Hause gehen.«