Nun greifen sie an sein Lebenswerk.
Sein ehrlicher Name ist gebrandmarkt, in den Schmutz gezogen. Er hat von jeher Angst vor der Oeffentlichkeit empfunden. Dem Hause, das er gründete, drohen schwere Krisen. Die Uebernahme der Lecartschen Verpflichtungen hat Opfer gefordert; Freds teure Lebensführung ist nicht dazu angetan, der Tiedemanns Besitz zu mehren. Wenn er wirklich so ungeheure Summen dem Phantom, adelig zu werden, geopfert hat, bedarf es nur eines größeren Verlustes, wie er oft in Kauf genommen werden muß, um die Firma in Schwierigkeiten zu bringen!
Klaus Tiedemann stöhnt auf; dann kommt die Aktiengesellschaft, dann verschwindet der individuelle Zug, die Kunde wird zur Nummer.
Er knirscht mit den Zähnen.
Was bleibt ihm anderes übrig, wenn die Depositensumme sinkt? Damit fällt des Hauses Macht. Unreelle Firmen und Betrüger hatten das Publikum in den letzten Jahren nervös gemacht, altangesehene Firmen waren zusammengebrochen. Wenn die Einleger, auf die alarmierende Nachricht hin, Sturm liefen? Klaus Tiedemann zweifelt als erfahrener Kaufmann nicht daran. Wenn sie die Spreu nicht vom Weizen zu sondern wußten, was dann? Schon lange bestand Argwohn gegen den Stand der Privatbankiers: die Kunden gingen lieber zu den großen Banken mit ihrem Riesenaktienkapital, das ihnen mehr Garantie zu bieten schien. Ein hartes Gesetz stand seit Jahren gegen den kleinen Mann und förderte den großen, trotzdem man es geschaffen hatte gegen das Großkapital. Die Aktiengesellschaft griff vom Anfang ihres Entstehens an mit reichen Geldmitteln in die Konkurrenz. In langen Jahren bittersten Kampfes hatte Klaus Tiedemann sein Kapital errungen. Seine Person war den Kunden Bürgschaft, seine offene Geschäftsführung verhalf ihm zu seinem Erfolg.
Er ballt die Faust. Wenn es Fred wirklich getan hat!
Stunden vergehen in grübelndem Sinnen.
Hilde kommt, ihn zum Abendessen zu holen; er gibt keine Antwort. Krampfhaft die Tränen zurückhaltend, geht sie wieder.
Schatten fallen ein, kaum daß die Sonne gelächelt.
Er hört Clo im Nebenzimmer sprechen; auch Hilde sagt ein paar Worte.