In übereilenden Worten, die Rechte in seines Sohnes Rock gekrampft, daß er ihm nicht entkommen kann, schildert Klaus Tiedemann, was vorgefallen ist. Mit bebender Stimme bittet er um Gewißheit. In seinen unruhigen Augen flackern Angst und Wut.

Fred Tiedemann hält die Faust geballt, scheu läuft sein Blick im Zimmer rundum: Nun muß auch das kommen!

»Rede!« Sein Vater schüttelt ihn. Er hat ihn vorn an der Brust gefaßt und knirscht mit den Zähnen, sinnlos vor Wut. Mit hastigem Ruck befreit sich Fred. Er findet seine Art wieder:

»Hast du zu viel getrunken?« Sein Blick sticht dem alten Mann in die blutgeröteten Augen. »Du mußt doch einsehen, daß du mir unrecht tust, schon die ganze letzte Zeit, mit deinem ewigen Mißtrauen! Alles, was du hörst, hat nur einen Grund: sie sind uns neidisch, sonst nichts. Das ist auch jetzt wieder so. Ich werde morgen beim Minister vorsprechen, ihn informieren: es ist der ganzen Sache damit die Spitze abgebrochen.« Klaus Tiedemann scheint seinen Worten Glauben zu schenken. »Doch jetzt laß uns schlafen gehen, ich bin redlich müde« fügt Fred hinzu.

»Es ist also nichts?« Zitternd vor Freude, die tiefster Seelenangst entsprungen ist, kommt Klaus Tiedemann seinem Kinde näher.

»Nichts.«

»Verzeih!« Wieder schlägt Klaus Tiedemann um, er sieht nicht des anderen verstörtes Wesen, nicht den sonst so glatten Scheitel, der unordentlich unter den Haaren verschwindet. Sein Sohn kann nicht unwahr sprechen, mag er auch sonst Fehler haben, er ist doch ein guter Mensch. Er drückt den Widerstrebenden an sich: »Ich habe solche Angst gehabt.«

Mit leerem Blick, in dem Unruhe lauert, sieht Fred Tiedemann über seines Vaters schneeigen Kopf, der an seiner Brust ruht.

Er scheint unangenehmen Gedanken nachzuhängen.

Er preßt die Lippen zusammen und klopft dem alten Mann mechanisch auf die Schulter: »Laß gut sein, es ist alles recht.«