Am nächsten Tage hatte sich der alte Tiedemann rasch angekleidet und war mit unruhigen Schritten im Zimmer auf und ab gegangen, bis es Frühstückszeit war. Mehr als ein Jahr hatte er sich geflissentlich vom Geschäft zurückgehalten, um Fred nicht zu beeinflussen. Es war ihm nicht leicht gefallen; doch er konnte sich recht gut zurückerinnern, wie er eine Kontrolle vertragen hätte, daher glaubte er auch, es müßte bei seinem Sohne das gleiche sein. Wohl war es ihm manchmal vorgekommen, als ob Fred eine Einmischung seinerseits gar nicht ungern sähe.

Langsam stieg er die Stufen hinunter, die er jahrelang gegangen war, in tiefen Sorgen und Gedanken. Ein weihevolles Gefühl umfing ihn.

Er lächelte darüber und vermochte doch nicht, es abzuschütteln.

Er ging auf die große, eiserne Türe zu, die er versucht hatte zu vergessen und die doch stets alte Wunden aufriß, wenn er sie sah — es war selten genug. Sie war vor dreißig Jahren, als er das Haus in seinen Besitz gebracht hatte, rostig und zerschlagen gewesen. Er hatte sie stets so gelassen. Nun glänzte sie in neuen Farben.

Mit raschen Schritten trat er ein.

Ein Diener kam geschäftig auf ihn zu; doch als er ihn erkannte, riß er die Tür nach links hin auf.

Sein Blick flog über die langen Reihen der Schreibtische; er atmete tief. Wieder einmal lag sein Leben vor ihm, das ihm hier Tag für Tag vorübergeschlichen war in unablässigem Mühen und Sinnen.

Hier saßen die Buchhalter.

Er sah unter den bekannten Gesichtern neue — wie stets, wenn er kam — die erst der Nachbar aufmerksam machen mußte, wer er sei. Dann flogen sie von den Drehstühlen in die Höhe und verneigten sich tief: »Ich habe die Ehre, Herr von Tiedemann.«

Er kam sich fremd vor in dem langgestreckten Bureau, das um das Doppelte vergrößert worden war. Sein Auge musterte mit schnellem Blick die neue Einrichtung, von der Fred so viel zu ihm gesprochen hatte. Alles war getäfelt, mit leichten, sanften Farben bedeckt. Es machte einen vornehmen Eindruck und stach ihm doch unangenehm in die Augen.