»Ja, tu' ich ja auch! Ich habe Kopfweh!«
Sie faßte seine schmale Hand: »Wenn dir nicht gut ist, lege dich ins Bett, aber geh nicht so viel lumpen, du bist noch zu jung!«
Er fuhr zornig auf: »Kommst du schon wieder mit dem Alter, als ob alles davon abhinge! Der eine ist eben früher reif, der andere später — das verstehst du nicht!« Er drehte ihr den Rücken zu und begann vor sich hin zu pfeifen. Dann sagte er leichthin über die Schulter: »Görnemann war vorhin da und suchte Fred.«
»Wo ist Fred?«
»Weiß ich's?«
Sie sah wieder zur Uhr und schüttelte den Kopf: »Neun, und er ist noch nicht auf!«
»Aufgestanden ist er schon lange, aber er ist gleich weggefahren. Sie probieren heute bei der Morgenarbeit den ‚Franklin’,« sagte Leo wichtig, dessen älterer Bruder einen Rennstall hielt, und unterdrückte ein Gähnen.
Als Hilde keine Antwort gab, sondern den Tisch abzuräumen begann, setzte er sich auf den Diwan und sah ihr zu: Hilde Tiedemann war mit ihren zwanzig Jahren ein hübsches Mädchen, das gestand sich ihr Bruder jetzt, wie schon oft, wohlgefällig zu, und sein Blick, der ihre schlanken Formen und flinken Bewegungen verfolgte, wurde freundlicher. »Du solltest, Hilde, nicht alles selbst tun! Wozu haben wir denn unsere Dienstboten?«
Hilde hielt in der Arbeit inne:
»Warum soll ich das nicht tun? Das schadet doch nichts?«