Leo hatte sich im Sessel zurückgelehnt und sah mit einem Blick, der unbefangen sein sollte, aber doch widerwilliges, ängstliches Eingestehen zeigte, auf seine Schwester. Er versuchte ein verlegenes Lächeln: »Was wird ein schlechtes Ende nehmen, bei mir oder bei dir?« sagte er.

»Du!« ihr Fuß stampfte entrüstet auf, »du weißt ganz gut, was ich meine! Sei nicht so häßlich mit mir!« Unwillig warf er die Serviette auf den Tisch:

»Ich bin kein kleiner Bub, der dir über alles Rechenschaft geben muß.«

»Das will ich auch nicht, aber schonen sollst du dich und deine Gesundheit; mußt du denn jetzt schon alles mitmachen, immer dein Erwachsenen-Spielen! Du hast doch das ganze Leben vor dir? Wenn Papa wüßte, wann du heute nacht wieder nach Hause gekommen bist!«

Erschreckt blickte er sie an. »Du wirst es doch nicht sagen?« fragte er hastig.

»Nein, gewiß nicht, aber du solltest Vernunft annehmen.«

»Was heißt Vernunft annehmen! — Das ist ein blödes Wort für euch Mädels, für uns kann das Leben nicht früh genug anfangen.« Seine bleichen Wangen bekamen Farbe; er erhob sich. »Erzählte Papa nicht selbst, wie er schon als kleiner Bub alles mitgemacht hat, wie er mit achtzehn Jahren allein in die Welt hinauszog? Und ich soll immer hinter dem Ofen hocken?«

»Das war ein anderes Leben, Leo, von dem Papa spricht! Das war Arbeit, und nicht Vergnügen wie bei dir.«

Er ließ die Hand heftig auf den Tisch fallen »Herrgott ja, aber soll ich mich plagen, wenn ich es nicht notwendig habe? Papa war arm und mußte arbeiten, wir aber sind, Gott sei Dank, reich.«

»Wie du daherredest,« ihre Stimme zitterte in Erregung: »Arbeiten muß jeder Mensch.«