»O nein,« fuhr Tiedemann auf, »du verstehst mich falsch. Nicht bürgerlich und adelig habe ich gemeint, sondern arm und reich. Ich bin von armen Leuten, während deine Mutter aus vermögendem Hause stammte! Darum paßten wir nicht zueinander. Lecart kommt aus vermögendem Hause und Clo auch, darum werden sie nie viel Streit haben, sie haben von Geburt dieselben Bedürfnisse. Darum muß Hilde auch so heiraten, wenn sie vielleicht auch heute noch anders denkt.«
»Sie hat Hansen gern.«
»Das wird vorübergehen. Fred sagt, daß sich Olthoff für sie interessierte; siehst du, Leo, der wäre mir als Schwiegersohn recht.«
»Er ist aber doch ganz anders als du, Papa.«
»Das ist gut, auch Lecart ist es!«
»Du denkst niedrig von der Frau.«
»Wie sie es verdient. Ich kann nicht anders reden, als wie es mich das Leben gelehrt hat. Deine Mutter war eine feine Frau, eine Mutter, wenigstens wollte sie stets das Beste mit euch, aber mir war sie nichts. Oft, am Anfang unserer Ehe, kam ich zu ihr, um dies oder das zu fragen, sie sollte mir einen Rat geben; wenn ich einen Freund brauchte, der hätte sie mir sein sollen. Ich bin stets umsonst gekommen.« Er atmete schwer. »Ihr war Toilette und Theater, kurz: alles wichtiger als meine Sorgen; die sollte ich mit mir allein ausmachen.«
»Armer Papa,« Leo streichelte seine Wange, »und Gerhards Mutter?«
Die Brust des alten Mannes hob und senkte sich in stockenden Wellen. »Die war anders ...« Er stand auf. »Ueber Tote rede ich nicht gern,« sagte er barsch und vergaß im eigenen Kummer, weshalb er gekommen war, »du,« er griff nach Leos Hand, »laß dir's gesagt sein, genieße das Leben!«
»Das will ich tun, Papa.«