»Nein, Junge, aber darum bin ich es mit euch; ein Vater kann gar nicht nachsichtig und lieb genug mit seinen Kindern sein.«

»Du Guter,« Leo küßte ihn auf den Mund, »aber schau, Papa,« sagte er dann erinnernd, »wenn man nicht heiratet, dann hat man doch keine richtigen Kinder, und du hast uns doch so gern?«

»Das ist wahr.«

»Siehst du ...«

Es war dunkel geworden, und die Laternen warfen flackernde Lichter durch die Fenster. Von der Straße klang gedämpft der Lärm des Menschenstromes herauf, der sich von dem Geschäftsviertel in die äußeren Bezirke ergoß ...

Fred öffnete die Tür. »Aber, Papa, der Wagen steht bereits unten, und du bist noch nicht einmal angezogen!«

»Ich habe ganz vergessen.« Tiedemann fuhr sich über die Stirn, »wir haben ernst zusammen gesprochen und da ist die Zeit schnell vergangen.« Leo kam in Bewegung:

»Mach rasch, Pa, damit wir nicht zu spät kommen, ich bin gleich fertig.«

Er sprang davon; sein Vater drehte sich schwerfällig um, er hätte gern noch etwas gesagt, das seinem Kinde Halt geben sollte in seinen Kämpfen. Doch die richtigen Worte hatte er nicht gleich gefunden, und nun war es zu spät. Daß aber auch Leo das Konzert wichtiger war! ...

»So mach' doch weiter!« Freds Stimme hatte eine unwillige Färbung angenommen. »Es sieht unangenehm aus, wenn man jedesmal zu spät kommt, gerade als ob man es sich so aussuchen würde, um fein zu sein. Das haben wir nicht notwendig.« Er schob seinen Vater zur Tür hinaus und fand nicht eher seine Ruhe wieder, als bis sie alle im Wagen saßen. »Warum hast du keinen Schmuck genommen?« fragte er Hilde, als die Pferde anzogen und ein vorüberfahrender Omnibus mit seinem Lichte ihm diesen Fehler offenbarte.