Hilde wollte den alten Mann versöhnen, darum fragte sie noch rasch. »Wie geht es Ihnen immer, Herr Görnemann?«

Der stand schon auf der Schwelle. »Gut, ich danke.«

Als der Prokurist die Tür lautlos hinter sich zugezogen hatte, fragte Hilde vorwurfsvoll ihren Bruder: »Warum hast du ihm nicht gedankt, als er dich grüßte?«

»Laß mich in Ruhe! Er könnt' sich 'mal auch schon angewöhnen, zu mir Herr Tiedemann zu sagen, statt mich, wie ein Kind, ewig mit dem Vornamen anzusprechen!«

»Gegen ihn bist du doch auch ein Kind! Du solltest ihn überhaupt zuerst grüßen.«

»Er ist doch nur ein Angestellter von Papa?!«

»Seit mehr als vierzig Jahren! Er hat Papa gekannt, als der noch arm war und hat ihm geholfen, sein Geld zu verdienen.«

»Dafür hat er sein Gehalt bekommen.«

Sie wollte heftig widersprechen, doch sie schwieg und horchte auf den festen Tritt, der von dem Schlafzimmer ihres Vaters herüberkam und vor der Tür zögerte. Dann klang die Türschnalle. »Guten Morgen, Kinder!«

Klaus Tiedemann küßte seine Tochter auf den Mund und trat zu Leo, der langsam aufgestanden war und lässig sagte: »Morgen, Pa!« Leo schloß für einen Augenblick die Lider und beugte sich herab, damit ihn seines Vaters Mund erreichen konnte. Der küßte ihn auf die Stirn: