»Wenn er es nicht merkt?«

»Das ist's eben. Auch der andere spürt, daß er der einzige mit überseeischen Erfahrungen ist: denn Görnemann kann man heute darin nicht mehr rechnen. Darum nimmt er sich so viel heraus.«

»Ist er wirklich so unverschämt?« Leo dehnte sich und gähnte. »Was habt ihr denn mitsammen gehabt?«

Freds Stimme klang in der Erinnerung des vormittägigen Auftritts lauter als sonst: »Er will mir vorschreiben, wem ich Pensionen zahlen soll. Da ist so ein Skontist bei uns, seit zirka zehn Jahren; der ist jetzt tuberkulös und soll nach dem Süden. Ja, mein Gott, wenn ich's nicht habe, dann kann ich's halt nicht machen! Ich habe ihm einen Monat Urlaub geben wollen. Natürlich, wenn er nicht arbeitet, bekommt er auch kein Gehalt, das ist doch klar — das ist überall so; dann könnte er nicht gehen, hat er gesagt, also soll er dableiben. Kommt der Gerhard herein und stellt mich wie ein kleines Kind zur Rede, ob ich wüßte, was ich tue; zählt mir auf, daß der andere Weib und Kind hat, daß er in kurzem tot ist, wenn er sich jetzt nicht schonen kann, redet von Zusammengehörigkeitsgefühl, das Chef und Personal verbinden muß, und so weiter,« Fred ließ die Hand schwer auf den Tisch fallen, »kurz, putzt mich zusammen, als ob ich sein letzter Kommis wäre.«

»Nun, und du? ...«

»Na, ich hab's ihm gegeben,« Fred schüttelte mit befriedigter Miene den Kopf, »so schnell kommt mir der nimmer.« Wieder übermannte ihn der Aerger der letzten Stunden. »Weißt du, was er noch gesagt hat? Ich würfe das Geld im großen hinaus und wolle im kleinen sparen, ich hätte keine Ahnung von modernem Geschäftsgeist; es sei besser, einem Skontisten, der sich für mich geplagt habe, etwas zu schenken, als das Geld für Wohltätigkeitsschwindel auszugeben, von dem so niemand was habe.«

»Das mußt du Papa erzählen.«

»Wird geschehen: es soll ihm nichts erspart werden ...«

Fred Tiedemann machte eine rasche Wendung. »Na, wie bin ich?« Er pflanzte sich breit vor seinem Bruder auf, als Marsritter, der zu Frau Luna werben kam. Baronin Wolny war die Luna!

Leo verschlang ihn mit neidischen Blicken: »Famos, warte,« er richtete ihm eine silberne Schnalle zurecht, »nun bist du fertig.«