»Warum? Er ist ganz unschädlich.«

»Und was tust du, wenn er dich mit seiner Mutter überrascht? Er ist zu allem fähig.«

Fred Tiedemann reckte sich: »Dann schieß' ich den Burschen wie einen Hasen zusammen.« Leo atmete schwer; ein Schauer überlief ihn.

»Als ich das letztemal dort war, um für heute abend abzusagen, hat er mich von oben herab behandelt, als wäre ich ein kleines Kind«, sagte er.

»Das sieht ihm ähnlich.«

»Ich hätte wahrscheinlich immer still sein und mit Hochachtung auf sein Geschwätz hören sollen, weil er um ein paar Jahre älter und nicht mehr im Gymnasium ist wie ich; da kann er lange warten.«

»Hast recht, er wird schon anders denken lernen.«

»Er ist mehr als stolz.«

»Worauf denn? Die Wolnys sind materiell nicht so gestellt, daß er ein Recht hätte, auf dich herunterzuschauen. Er soll froh sein, wenn die Tiedemanns mit ihm verkehren. Das laß ihn das nächstemal fühlen; dann wird er dich anders behandeln.«

»Da irrst du dich, Fred. Er sieht uns als nicht ebenbürtig an. Weißt du, was er zu mir sagte? Er verstünde uns nicht, vor allem dich und mich, daß wir nicht einsähen, daß wir als Söhne unseres Papas ernste Pflichten der Gesamtheit gegenüber hätten. Wir sollten die Kunst, geistige und menschliche Interessen fördern, und nicht in Schichten eindringen wollen, die uns fremd sind. Einen Rennstall halten, er meinte dich damit, sei keine soziale Tat: höchstens trage es dazu bei, sein Geld zu verlieren, mit dem man anders den Armen viel Gutes erweisen könnte. Aber er wüßte schon, warum wir es täten. Es sei die Angst des Proletariers, voll genommen zu werden, darum sei uns kein Opfer zu groß, um zeigen zu können, daß wir dieselben Passionen hätten wie sie ...«