»Hör' auf«, Fred Tiedemann stampfte den Boden, »ich habe keine Lust, das dumme Geschwätz von dem unreifen Laffen, der uns um unser Geld neidisch ist, anzuhören.« In großer Wut warf er die halbgerauchte Zigarette in die Zimmerecke. »Er ist viel zu dumm, um das Leben richtig zu verstehen.« Leo sah mit weit aufgerissenen Augen auf seinen ärgerlichen Bruder und schüttelte nachdenklich den Kopf:
»Es hat doch etwas für sich.«
Fred Tiedemann fuhr schnell herum: »Du bist wohl verrückt? Auf dich macht alles, was du noch nicht gehört hast, einen Eindruck.«
»O nein, aber weißt du, das, was er über den Kaufmannsstand im allgemeinen sagte, ist nicht so dumm. Er meinte, er stellte sich deinen Beruf so schön und edel vor; in seinen Augen gäbe es nichts Größeres, als internationaler Mittler zu sein zwischen Konsumenten und Produzenten.« Leo legte in Sinnen verloren den rechten Zeigefinger an die Unterlippe. Nach einer Weile, die Fred mit Räuspern und Husten gefüllt hatte, fuhr er leise fort:
»Es muß schon schön sein, das Ererbte zu mehren und sich seiner Mission bewußt zu sein, die man in der modernen Kultur zu erfüllen hat. Das habe ich mir oft selber gedacht.«
»Du bist ein überspannter Kerl. Ich möchte dir wünschen, dich mit Gerhard herumstreiten zu müssen und auf die Börsenberichte wie auf eine Offenbarung Gottes zu warten, du würdest bald anders von der ‚Kulturmission’ denken, wie du es nennst.«
»Wirklich?« Es schien eine Last von Leo zu fallen. »Glaubst du, ich hab' unrecht?«
»Darüber gibt es doch nichts zu reden.«
Aus Fred Tiedemanns Worten klang starkes Selbstbewußtsein.