Überblicken wir die Erscheinungsformen des unentwickelten Unabhängigkeitsgefühls und des ausgesprochenen Abhängigkeitsdranges, so dürfen wir sagen: Eine Todsünde belastet uns nicht. Wir sind nicht Sklaven, wie einst Friedrich im Zorn uns genannt hat, wir sind nicht Domestiken, wie jener verbitterte Philosoph behauptete. Es ist nicht unsere Sache, von unseren Tugenden zu reden; dies wissen wir, und das mag genug sein: Die Nachwelt wird Mühe haben zu begreifen, was unser Volk im Kriege pflichtgetreu geleistet und heldenhaft geduldet hat.

Doch eines verschweigen wir uns nicht: Das Abhängigkeitsbedürfnis ist eines der schwersten Hemmnisse des inneren und äußeren Aufstieges, es ist der politische Kardinalfehler eines Volkes.

Denn aller Aufstieg setzt die Würde des innerlichsten Entschlusses, den Adel rückhaltloser Entäußerung und das Herrentum des Wollens zur eigenen Verantwortung voraus. Würde, Adel und Herrentum aber können in gewollter und geduldeter Abhängigkeit nicht erstehen.

Gewiß wird Gesinnung den vom Geiste vorgeschriebenen Weg schreiten, und Einrichtungen werden ihr folgen. Doch beiden voran muß der Aufschwung des Willens geschehen, und der, leider, ist gehemmt durch eine einzige Schwäche unseres voluntarischen Charakters.

Würden uns noch heute, als ein himmlisches Geschenk die vollkommensten Einrichtungen des staatlichen und kulturellen Lebens beschieden, es wäre umsonst. Sie würden niedersinken auf den Stand unserer Gesinnung und unkenntlich werden. Denn ein Volk kann seine Güter und Institutionen nur auf derjenigen Höhe halten, auf der es sie aus eigener Kraft zu schaffen fähig ist.

Früher habe ich die Gesinnungen und Ziele beschrieben, denen wir entgegenstreben, heute weise ich euch den friedlichen Kampf, dessen Beginn vielleicht, dessen Ende ich nicht erleben werde. Es ist der Kampf um die Seele unseres Volkes, sein erstes Ziel ist Würde, Adel und Herrentum. Es gibt eine deutsche Sendung auf Erden. Sie ist nicht die Sendung des Militarismus, sie ist auch nicht die Sendung der Mechanisierung und der Technik, obwohl sie diese Nützlichkeiten nicht verschmäht, sie ist am wenigsten die Sendung der Weltherrschaft. Sie ist die Sendung, die sie immer war und immer sein wird: die Sendung des reinen, unbestechlichen, unbeirrbaren und unerbittlichen Geistes. Diese Sendung fordert nicht Emanzipierte und Untergebene, sondern adlige Männer. Es ist nicht unsere Sache, die Kellner, Barbiere und Schneider für London und Newyork zu liefern, sondern als freie Männer auf freiem Boden brüderlich mit den Völkern zu reden und zu wirken, nicht um des billigen Nutzens, sondern um des Geistes und der Menschheit willen; ihnen zu bieten, was wir haben und von ihnen zu empfangen, was wir brauchen.

In eurem Kampfe zählen die Jahre nicht. Es wird euch bekämpfen die Herrenkaste, und das ist schade, denn es sind tüchtige Menschen, klug, mutig und eigenwillig. Doch sie sind kurz von Gesicht und arm an Phantasie; sie wissen nicht, daß im Sturm das fahrende Schiff sicherer ist als das verankerte, sie wagen nicht zu glauben, daß in einem freien Volke ihre Eigenart mehr wert ist als in einem, mit dem sie kämpfen. An ihnen haften zwei Sünden: Sie haben das Volk unmündig gehalten, um es leichter zu beherrschen, und sie haben mit ihrer Herrschaft die Verantwortung zu tragen für jenes Menschenalter schlechter Führung, das die Gewitteratmosphäre schuf. Diese doppelte Schuld wird schwer auf ihnen lasten.

Bekämpfen werden euch die Interessenten, und das ist gut, für euch wie für sie. Sie wissen nicht, daß mit der geistigen und wirtschaftlichen Anarchie, die sie im Lande erregen, sie den Ast absägen, auf dem sie sitzen. Sie müssen lernen, daß mit den Geschäften von heute auf morgen, die sie erstreben und um die sie sich würgen, das Korn vor der Ernte zertreten wird. Das Futter wird nicht mehr, sondern besudelt und verstreut, wenn man aus Gier mit beiden Füßen in den Napf springt; die Welt ist eng geworden, sie ernährt uns nur dann, wenn die Arbeit sorgsam geordnet und geteilt wird.

Bekämpfen werden euch die Indolenten und mehr noch die Originalsüchtigen. Ihnen ist es nicht um die Sache zu tun, sondern um ein apartes, literarisch verwertbares Gerede von der Sache. Sie glauben die Welt zu ändern, wenn sie Artikel weglassen, Satzglieder umstellen und im Kaffeehaus neue Zeitwörter ausdenken. Mit beiden werdet ihr fertig, denn sie haben einen kurzen Atem.

Beginnt ihr zu zweifeln und fühlt ihr euch im Kampf ermatten, so erfüllt euch mit dem Bilde des ragenden inneren Deutschlands, das wir im Herzen tragen, des Landes der Wahrheit, der Treue, der Geistigkeit, der Innigkeit, des reinen Glaubens; tränkt und sättigt euch mit diesem Bilde, und blickt um euch. Seht ihr dann noch das kreischende, gierige Werben, die vergifteten Genüsse, die zynischen Gestalten der frechen List und der brutalen Schaustellung, die unwürdigen Gebäude und barbarischen Schaustücke: dann hat das neue Reich das alte noch nicht überwunden und der Kampf geht weiter.