Er seufzte tief, seine Hände spielten ruhelos mit dem braunen Schnürlein, das er am Halse getragen hatte. Mitunter ging ein Zucken durch seinen Leib, als trüge er Qualen; ich schob es auf die Brandwunde, darunter er ein Geheimnis erstickt hatte.
»Denn ich habe sie geliebt,« offenbarte er traurig, »und ich liebe sie noch. Wie viele Tage bin ich um Claraforte geschlichen, um einen Schimmer ihres Gewandes zu sehen, indes du jagtest oder – ach, was helfen jetzt noch Klagen! Ich will statt deiner an ihrem Grabe beten.«
»Tu es, Bruder,« sagte ich unter lautem Schluchzen, »auch ich – ich fahre an die Stätte, da unser Herr und Heiland litt. Vielleicht daß uns beiden Erlösung wird. Bruder, welch ein Opfer bringst du! Die Montgerrats werden dich verderben.«
Er straffte seine Glieder, seine Augen blitzten herrisch.
»Nein!« wehrte er hochgemut. »Ich halte mein Land! Hab dessen keine Sorge. Vor Gott und vor den Menschen trage ich deine Tat, als sei es meine eigene; du magst in Frieden fahren.«
»Gott wird mich auch in dieser Kutte erkennen,« entfuhr es mir, »dies wirst du mir nicht abnehmen.«
Aber er, voll von seiner Berufung, sah mich verheißend an und deutete:
»Sind wir nicht eins? Gott wägt das Geschlecht, und nicht den Einzelnen. Wir müssen alle füreinander büßen, wir werden alle füreinander begnadigt. Der Vater, der dich zeugte, die Mutter, die dich trug, sie leiden für dich in der Höllenglut, sie feiern für dich im himmlischen Saal; oder meinst du, Gott zerreiße die Kette des Geschlechts, die er selber geschmiedet, um ein einzelnes Glied zu verfluchen oder zu segnen?«
»Du hast viel darüber gegrübelt,« stammelte ich beschämt.
Er antwortete schlicht: