»Die schönste Frau, die ich jemals sah, bei meiner Seel!« plauderte der Ritter unbefangen weiter. »Aber leider hat sie für niemanden anders Augen als für ihren Gemahl. Verständlich, denn der Herzog ist ein wahrer König Artus an Tugend, Schönheit, Mannestum.«

»Ihr sprecht von einer Toten, Herr!« sagte ich tonlos, fessellosen Zorn im Herzen, und mich selbst zerfleischend fuhr ich fort: »Auch hab ich niemals viel Rühmens von Robert dem Teufel gehört.«

Der Fremde schaute erstaunt, mein erregtes Wesen konnte ihm nicht entgehen. Die anderen hatten des gottlob weniger acht, sie standen bereits entfernter auf einem Hügel, die klare Aussicht bewundernd. Der Ritter erwiderte schier achtlos:

»Was sagt Ihr? Ich verstehe Euch nicht. Kennt Ihr den Herzog und sein Weib? Wann saht Ihr sie zuletzt?«

Wie sauer mir die Worte fielen! Wie schwer mußte ich mich beherrschen! Und noch in diesem Augenblick ahnte ich nicht die Wahrheit.

»Vom Hörensagen,« erwiderte ich. »Vor mehr denn zwei Jahren zog ich an Claraforte vorüber in dies Land. Eben damals war Aleit von Montgerrat – die meint Ihr doch? – durch einen üblen Fall zu Tode gekommen. Der Herzog aber – doch, Herr, ich erzähle Euch alte Geschichten – er hieß der Teufel landaus, landein, und wenn auch nur die Hälfte alles dessen, was sie ihm nachredeten, wahr ist, so wird sich Satan für diesen Namensbruder bedanken.«

Trotzig sah ich auf den gezierten, goldbehangenen Fant; mich ärgerte die Kunde, ich hielt nicht anders, als daß mein Stellvertreter eine neue Heirat getan haben mußte, und jener habe der jungen Herzogin versehentlich den Namen meines toten Weibes gegeben.

Indes ich sprach, zuckte der Gast wie sich erinnernd mit der Braue; jetzt wandte er sich gelangweilt ab.

»Freund, Ihr vernahmt ein falsches Gerücht. Ich sah Aleit von Montgerrat, mit dem Herzog und ihrem Söhnchen vor kaum drei Monden in Paris – ich entsinne mich übrigens, sie trug am linken Schlaf ein feuriges Mal wie von einer Narbe. Und Herzog Robert – mag er gewesen sein wie immer – heut ist er einer der vornehmsten und besten Ritter der Christenheit. – Was ist Euch? Ihr solltet Euch nicht barhäuptig dieser verruchten Sonne aussetzen. Gehabt Euch wohl und vergeßt nicht: die Rose nennt Ihr Frau Aleit.«