Immer noch stand der Emir da und hatte eine Frage auf der Zunge. Endlich hielt es ihn nicht:
»Du müßtest tot sein,« begann er in sichtlicher Verlegenheit. »Warum fiel mein Speer aus deiner Brust?«
Unwillkürlich faßte ich nach der Stelle; das Kettenhemd war zerlöchert und zerschlissen, ich konnte mit dem Arm hindurchfahren. Jedoch unter dem Leinen fühlte ich, verbogen und halb zerschnitten, die Münze meines Bruders und errötete bis unter das Haar.
»Seht!« Heiser fuhr mir der Ton aus der Kehle.
Der Emir warf einen flüchtigen Blick auf das verbeulte Blech und sprengte an die Spitze seines Zuges. Wir ritten.
Plötzlich fühlte ich eine Hand aus den ewigen Höhen niederreichen und mein Herz berühren, fühlte ein Band aus dieser Wüste unsichtbar in die Heimat gehen, eine hauchfeine Kette zwischen mir und jener armen Mutter, die eine Sommernacht lang meines Vaters Spiel gewesen.
Stumm senkte ich den Kopf, die Tränen liefen mir in den Bart.