»Ein Mann von Eisen!« hörte ich den Arzt sagen. Mir kam ein Lachen in die Kehle: dies Eisen hatte sehr, sehr weiche Stellen. Er träufelte mir ein bitteres Wasser in den Mund, ich schluckte notgedrungen und hörte ihn noch einmal wie aus Fernen:
»Schlaf ist das Beste. Es ist ein Wunder –«
10
Mehrere Tage sah ich nur den Arzt an meinem Lager, das im Palast aufgeschlagen und wie das eines hochgeehrten Gastes war. Da ich sprechen wollte, winkte mir der Greis Schweigen und zeigte mir in einem silbernen Spiegel meinen Kopf: aus einem Knäuel weißer Binden lugte nur ein Auge, sonst nichts. Der linke Arm, beide Beine waren eingepackt; Schmerzen verspürte ich nicht, sprechen konnte ich nicht, die Kiefer waren vom Verband fest aufeinandergepreßt. Der alte Mann erriet meinen fragenden Blick.
»Du wirst völlig wiederhergestellt, Christ; auch das andere Auge hoffe ich zu retten. Dein Glück wird so groß wie deine Tapferkeit sein, oder fast so groß, denn ich habe in meinem langen Leben keinen kühneren Mann gesehen als dich. Deine Sklaverei ist zu Ende, du wirst beschenkt wie ein König in deine Heimat ziehen, ohne Sorge dein Leben lang, und du verdienst es wahrlich.«
Ich zuckte unter den Binden schmerzhaft zusammen: dies dünkte mich ein schlechter Lohn, wenn ich überhaupt Lohn verdiente, das Kind zu lassen, um in eine geraubte Heimat zu fahren. Ich streckte die Hand aus und deutete dem Greise die Scheitelhöhe meines Lieblings an; er verstand mich sogleich.
»Hab Geduld, Christ, eine Woche noch. Sie würde zu sehr erschrecken, sähe sie den Retter so elend. Sie freut sich sehr auf dich und plappert den ganzen Tag von ihrem Riesen.«
Eine Woche noch, sieben lange Tage, sieben lange Nächte! Aber sie plauderte von mir, sie hatte mich nicht vergessen! Wie weit mochte der Emir in seiner Dankbarkeit gehen? Ich malte mir ein herrliches Leben aus: täglich durfte ich ihr Blumen bringen, sie sehen, mit ihr sprechen – ach, nur ein Ave lang!
Wie elend schleppten sich die Stunden, die Zeit stand still. Vielleicht vergaß sie meiner in sieben langen Tagen über ihren bunten Spielen, über den tausend Dingen, die ihr der Emir aus Ägypten sicherlich mitgebracht hatte. Ich mußte den Arzt fragen, abends, wenn er mir den Brei aus Eiern und süßem Wein einflößte; aber der Arzt beschwor mich, den Mund nicht zu bewegen, um die Narben nicht aufzureißen. So ergab ich mich denn, innerlich seufzend, und harrte auf den nächsten Morgen, wähnend, er müsse mir den Verband erneuern. Jedoch im Wein war ein Schlafmittel, meine Binden wurden gewechselt, ohne daß ich es merkte.