Das Kind saß auf meinem Lager, sein Händchen lag in meiner Rechten. Es plapperte und fragte und wollte wenig Antwort. Ob der böse Löwe mich sehr geschlagen, ob ich Schmerzen hätte. Ob ich Federball spielen könnte und wann ich aufstehen dürfte. Ich sagte nichts, ich wollte das Kind nicht mit der knarrenden Stimme erschrecken und lachte es nur mit den Augen an.
»Du darfst mit mir spielen, sagt Jussuf.«
Ließ sich der Emir nicht Vater nennen? Erkannte er sie nicht als Tochter an? Ich schielte zu ihm hin, doch er stand im Schatten, und seine Züge schienen sich nicht zu bewegen.
»Genug für heut!« flüsterte der Arzt mir zu. »Sobeide kommt nun jeden Morgen.«
Er zog sie von meinem Lager, und ihr Widerstreben überflutete mich mit Entzücken. Am Vorhang blieb sie noch einmal stehen, hob eine Schaumünze hoch und rief:
»Hier ist auch ein Löwe, aber der beißt nicht.«
Mit einem rauhen Schrei fuhr ich aus den Kissen und starrte auf die Kleine; der Arzt, der Emir liefen auf mich zu und legten mich sacht nieder, wähnend, die Erinnerung hätte meinen Schmerz überlaut gemacht. Ich aber winkte Sobeiden zu, die neben der Negerin stand und die Augen voll Tränen hatte.
»Die Münze!« ächzte ich. »Um Gott, zeigt her!«
Sie trugen Sobeide wieder auf mein Bett; an goldener Kette hing ein Braunschweiger Löwentaler um ihren Hals.