»Jedenfalls kein Überläufer wie du! Was treibst du für schmutzige Geschäfte, Alter? Pfui über dich! Warst du ein Normanne, so schäme dich doppelt: ich bin der Sohn und Erbe des Herzogs von Claraforte.«

»Mir unbekannt,« versetzte ich kalt. »Hier bist du nichts als eine Ware.«

Inzwischen winkte ich einen der Verkäufer heran und ward handelseinig. Mich hielt es nicht mehr auf dem Markt und in der Stadt, durch die ich einst mich so traurig geschleppt hatte, ich vergaß das Elend der abendländischen Ritterschaft, die nach allen Richtungen verstreut wurde, und sprengte mit meiner Beute von dannen, Herz und Haupt voll verworrener Bilder und Gelüste. Um den Sohn des Bastards kümmerte ich mich während der Reise nicht, er trabte gefesselt zwischen meinen Leuten. Ich hörte ihn hier und da in der Lingua Franca oder in schlechtem Arabisch lustige und freche Reden tun, die wenig Kummer verrieten. Er schien sich in der Gesellschaft wohlzufühlen, wie es dem Bastardblut geziemte, und in meine Gefühle mischte sich Ekel und Verachtung. Ich rang mit Entschlüssen, fand aber zu keinem Ende. Eine unerklärliche Schwermut, mit Sehnsucht gepaart, legte sich betäubend auf mein Gemüt, nach zehn Jahren eines wolkenlosen Glücks rauschten die dunklen Fittiche wieder über mir, und abermals fragte ich nicht nach Gottes Willen. In Bachara suchte ich sogleich das Lager, ohne selbst das Kind begrüßt zu haben, von Fieber umdüstert, von Dämonen zerrissen, aber von schlummerlosen Reisenächten gottlob ermattet, daß ich willenlos versank.


13

Wie aus schwerer Krankheit tastete ich in den Tag zurück. Die Erregung war einer Art von Gleichgültigkeit gewichen, die kundtat, wie sehr Rache und Zorn in der Erinnerung lagen und mich doch nicht mehr für immer erobern konnten. Und mählich klärte sich mein Besinnen: Was war Gott mir schuldig? Hatte ich nicht eine wundervolle stille Zeit verlebt? War nicht alles Vergangene Notwendigkeit für dies mein Glück? Also, sprach mein Kopf, sende den Erben von Claraforte zurück in seine Heimat und vergiß! Aber mein Herz war still dazu und zögerte.

Ich rief nach Bad und Morgenimbiß und ließ den Bastard zu mir kommen. Er musterte mit seinen schnellen Augen das Gemach, ohne mich zu grüßen, dann ließ er sich auf ein Polster nieder und schob die beiden zuspringenden Wachen mit mächtigen Armen beiseite. Ich winkte, sie gingen betroffen hinaus.

»Der Übertritt ist eine einträgliche Sache,« höhnte der Junge, und bis auf die Stimme glich er dem, der mich betrogen hatte. Jetzt wunderte ich mich, daß ich keinen Haß empfand, ja eher Bewunderung für die schöne, kühne, blonde Jugend, die kaum achtzehn Jahre zählen konnte und schon wie ein gewaltiger Streiter in seinem Kettenhemde dasaß. Über seine Frechheit weghörend, fragte ich kurz:

»Du heißt?«