Ich hob es ruhig auf und fuhr fort:

»Bevor ich den Dank des Emirs verdiente und sein Freund ward. Den Heiland habe ich nicht so sehr verleugnet wie du, der du sein Brot in den Staub wirfst.«

Der junge Riese wand sich vor Verlegenheit, er versuchte mich freimütig anzusehen und stammelte höflich:

»Vielleicht tat ich Euch unrecht, Alter, dann verzeiht.«

»Nimm und iß!« entgegnete ich ihm, und diesmal griff er zu, und ich sah seinem Hunger an, wie schwer ihm der Kampf gefallen sein mußte.

»Beruhige dich über deine Gefangenschaft; Saladin sorgt für Geiseln, denn da ihm das ganze Land zugefallen ist, wird die Christenheit vor neuem Streite stehen, mit ungewissem Ausgang.«

»Mit gewissem!« triumphierte die Jugend. »Glaubst du, König Richard ließe sich das gefallen? Und der Kaiser? Und mein Vater, wenn er erfährt –«

Das Blut drängte sich mir zu Herzen, ich senkte die Augen. »Warum zieht dein Vater nicht zu Felde? Warum schickt er dich statt seiner?« fragte ich leise. Meine Seele bebte in der Brust und sehnte sich, ein Wort von der Mutter zu hören, ob sie lebe, ob sie fröhlich sei.

Bereitwillig gab er Antwort:

»Mein Vater hat genug im eigenen Lande zu tun, insonderheit bei den Unruhen der englischen Krone, da lärmen die Söhne wider den Vater und untereinander. Dazu ist die Mutter krank, er mag sie nicht verlassen. Auch hat er mich nicht geschickt, ich bin davongelaufen, sonst wäre ich nie ins Morgenland gekommen; denn ich bin der einzige Erbe zu Claraforte, keine Schwester, kein Bruder, ein stilles Haus, Alter.«