Der Kopf war mir in die Hand gesunken, die alten Tage zogen wundersam leuchtend herauf. Alles war in Glanz getaucht, es gab keine Laster, keine Sünden, nur Glück, nur Heimat. Langsam nur traten seine Worte in mein Bewußtsein, herb und plötzlich schüttelte mich die Meldung, Aleit sei krank. Ich wagte nicht zu fragen, stand auf und bedeutete Harald, mir zu folgen. Durch Palmenwege schritten wir zu dem Garten, den ich einige Jahre verwaltet hatte; die Hütte, da mein Herd gestanden, war etwas zerfallen, denn niemand hatte sie bewohnt, der Garten wurde von dem Hauptgesinde mitbedient. Seit Sobeide erwachsen war, kam der Emir nicht mehr her; ich wußte, warum. In der Mitte des Geheges wogte ein Rosenhain voll der edelsten Sträucher, unwissend seiner Bedeutung hatte ich ihn damals aus alter Liebe besonders gepflegt. Es war der Platz, auf dem Gertraudens Leichnam verbrannt worden war, rätselhaft wie ihr Leben war ihr Bestattungswunsch gewesen.

Ich schloß die Tür zu dem verfallenen Hause auf.

»Ergib dich in dein Schicksal, Harald,« sagte ich mit verstellter Gelassenheit, »es ist, glaub es mir, gelinder als das meinige. Die Beschäftigung mit dem Boden, den Pflanzen, den Wolken und Winden tut wohl und macht ruhig. Niemand soll dich treiben; flick die alte Hütte und harre deiner Stunde in Geduld.«

Er warf den schönen Kopf in den Nacken und sah mich mit lachenden Augen an:

»Hütet Eure Pferde, Alter, ich sags Euch offen: kann ich fliehen, so geschieht es.«

Den anspringenden Schrecken – nachher wurde mir bewußt, wie sicher mein Herz empfunden – dämpfte ein fernes silbernes Gelächter; ich murmelte einige Worte zum Abschied und eilte hinaus, den Wachen die Fürsorge für den neuen Gärtner einschärfend.

Im Garten des Frauenhauses saß Sobeide im Kreise ihrer neuen Gespielinnen, und die jungen, schönen Gesichter strahlten Freude über ihr unfaßbares Glück, solcher Herrin zugeteilt worden zu sein. Sie hatten ein ganz anderes Los befürchtet.

»Vater, Väterchen!« rief das Kind und fiel mir um den Hals. »Nun hast du eine ganze Gemeinde für dich und kannst wieder Priester sein!«

Einen Augenblick war alles verstummt, dann brach ein tolles Gelächter aus, und ich stimmte von Herzen ein. Wilder konnten die Gegensätze nicht in ein paar Worte gesperrt werden. Oder vielleicht doch von der mundkargen Wirklichkeit, die hier Lust und Leben und Geselligkeit schuf und jenseits der Mauer ein junges Blut zur Einsamkeit verdammte. Jedoch in diesem Wirbel blauer Sterne war kein Raum für Trauer, ich vergaß und genoß.