»Reite voraus, Harald,« befahl der Bastard, »damit uns Alten das Mahl gerichtet ist, und laß in meiner Schlafkammer das Feuer zünden.«

Dem Jungen war nichts lieber, er hatte ohnehin genug von der Weisheit der Älteren und konnte die Zeit nicht erwarten, Sobeide in die Arme zu schließen. Jauchzend sprengte er von hinnen und verschwand im Laub. Der Bastard dagegen verhielt die Zügel, wandte sich zu mir und sprach mit klangloser Stimme:

»Bist du mit deinem Lande zufrieden, Bruder Robert?«

Ich starrte ihn an, mitten durchgerissen von seinem jähen Wort, und sah ein uraltes, verfallenes Antlitz, voll einer fassungslosen Traurigkeit. Dies war sein unverstelltes Wesen, mein Herz blutete vor Mitleid. Er hatte seine Rechte gegen mich ausgestreckt, sie schwankte und zitterte in den lenzlichen Lüften, der ganze mächtige Leib war von einem Beben ergriffen.

»Kannst mir die Hand ruhig geben, Bruder,« fuhr er müde fort, »ich habe dir nichts von dem Deinigen genommen, auch nicht Aleit, denn ich habe sie nicht berührt, und Harald ist dein Sohn.«

»Sie weiß?« stammelte ich aufgepeitscht, und er, zermalmt von unsichtbaren Fäusten:

»Nein. Aber es liegt eine Welt zwischen uns.«

Mit einemmal flutete das verloschene Sonnenlicht der langen dunklen Tage warm in meine Brust, ich stand in einer inwendigen Lohe wie in Gottes Mantel eingehüllt, und wie in Gottes Mantel ward ich kindlich rein, geläutert von den Schlacken meiner sündigen Begierden, befreit von dem lärmenden Streit zwischen Kopf und Herzen. Ich schob seine Hand beiseite und zog ihn an mich, wir küßten uns und tranken unsere Tränen.

Da er endlich seine Haltung zurückgewann, sagte er leise:

»Nun muß unser böses Spiel durchgeführt werden, bis wir Besseres wissen. Nicht um uns, aber um die anderen. Den Abend haben wir für uns, und du sollst Rechenschaft haben. Vorwärts, Bruder!«