Die letzten Worte murmelte er vor sich hin, kaum daß ich sie verstand. Eine Frage schwebte mir lange auf der Zunge, und wenn ich ihn auch quälte, es mußte heraus:
»Kam dir nicht, da du Aleit am Leben fandest, der Gedanke, mich zurückzurufen? Ein Wanderer mit gewissem Ziel wäre rasch gefunden.«
Seine Züge vertieften sich und wurden hart, knisternd stob die Glut unter dem Schüreisen, die Flammen warfen flackernde Blitze über seine abgemagerten, blutleeren Hände. Er hob die Augen kühn zu mir und antwortete:
»Nein! Und wenn mich mein Herz nicht betrügt, so wirst du heute dankbar sein. Wir sind gegen das Schicksal angerannt und haben uns die Stirnen blutig geschlagen, aber wir möchten die Narben nicht missen. Das Wenige, das ich von deinem Leben weiß, lehrt mich deutlich, daß alles sein mußte. Gottes Werkzeuge waren wir, um unser Land und unser Geschlecht zu retten. Die furchtbare Schrift auf deinem Antlitz, die, dein irdisch Andenken für alle, die dich kannten, auslöschend, dir Tochter und Sohn brachte, diese Löwenschrift soll uns beiden eine währende Mahnung sein. Und nun, Bruder, sage mir offen, was du von deiner Heimkehr ersehntest?«
»Von meiner Heimkehr? Für mich?« stammelte ich, betäubt von dem unerwarteten Angriff. »Was soll ich hoffen? Ich brachte die Kinder, ich will nichts für mich. Nichts in deinem Hause, nichts in deinem Lande als dereinst ein paar Fuß Erde, die du mir nicht verweigern kannst.«
In steigender Erbitterung keuchte ich die häßlichen Worte, zornig über seine Frage, zornig über mich selbst, voller Groll über die Einsamkeit, in die er mich stieß. Er selbst blieb gelassen, ja, ein Lächeln spielte um seinen Mund.
»Es gibt zwei Wege,« sagte er ohne sichtliche Erregung, »einmal können wir Aleit und den Kindern alles erklären, und du gewinnst im Hause die alten Rechte. Dem Lande gegenüber scheint mir das nicht gut, es wäre richtig, wenn ich nach außen Herzog bliebe. Doch sei dir auch dies zugestanden, wenn du das Gerede nicht scheust. Zum anderen können wir unsere Geschichte in unserer Brust begraben, und du bleibst, ein Bruder und Freund, an meiner Seite, solange uns Gott den Atem schenkt. Wie du auch wählst, Bruder, du kannst mich nicht verletzen. Sage mir heute nichts, beschlaf es und künde mir morgen den Bescheid.«
Er erhob sich frei, mit heiterem, erlöstem Antlitz, seine strengen Augen lachten mich freundlich an.