Der Bastard lächelte schmerzlich.

»Es kann mir nichts genommen werden, was ich nicht einmal besessen habe. Plage dich mit anderen Sorgen, Bruder, und genieße in Frieden, was dir ihr Herz bietet.«

Heiter verließ er mich; ich verfolgte ihn mit den Augen, wie er durch die herbstlichen Büsche ging, und mir schien, seine Schultern beugten sich mehr und mehr, und endlich, da er sich unbeobachtet wähnte, stand er vor einer Buche still und lehnte den Kopf an den Stamm, als überwältigte ihn ein plötzlicher Schwindel. Er riß sich zusammen und verschwand steten Schritts in den Gehegen. Ratlos blieb ich in meinem Stuhl sitzen, die Glieder versagten mir schier. Ich hatte ihn lieb, wie ich Jussuf geliebt hatte, und ich brachte ihm Schmerzen wie jenem. Wie oft mir Gott gezeigt hatte, wozu ich auf der Welt war, ich vergaß es immer wieder und verkam in Grübelei über mein unnützes, äußerliches Dasein.

Oft quälte ich mich mit dem Plan, Claraforte zu verlassen und abermals pilgernd die Erde zu durchwandern, dann wieder schien mir Friede in einer Einsiedelklause zu blühen; aber es kam zu keinem Entschluß, der Winter brach früh und hart herein, Schneewolken überschütteten das Land und trieben uns um das Herdfeuer, in dessen schattenhellem Licht die zarten Schwingungen der Seele noch ungebundener und lieblicher tönten.

Eines Abends, da ich allein in meinem Gemach weilte und vor dem flackernden Feuer alten Dingen nachsann, derweil ich das Haus schlafen wähnte, trat Aleit durch die Tür und setzte sich purpurn neben mich.

»Denk was du willst, Mönch,« sagte sie, die sonst gewohnt war, mich bei Namen zu nennen, mit fremder, trauriger Stimme, »ich muß mein Herz befreien, ich kann es nicht länger tragen. Seit du hier bist, bin ich gänzlich verändert.«

In diesen Worten gewann sie ihren Mut zurück und hob die klaren, ehrlichen Augen zu mir auf, der ich wie gelähmt auf meiner Bank saß und um Atem rang. Und sie:

»Es ist das zweitemal in meinem Leben, daß meine Seele vor Geheimnissen sonderer Art steht, und« – wie ein Hauch kamen die Worte von todblassen Lippen – »schlimmer fast als meine Seele meine immer noch wachen Sinne. Hör mich, Priester oder Mensch, und sei mir ein klarer Bronnen, darin ich mein Herz kühlen kann.«

Mitten in ihr Gemüt greifend, fuhr sie mit einer fast sachlichen Trockenheit fort:

»Der Herzog war nicht immer der, als den du ihn kennst. Er war ein wilder, oder richtiger, ein wüster Jüngling mit unbekümmerten Lastern von Vatersseite her, mit ererbten Freunden gleicher Gesinnung. Denke das Schlimmste, und du siehst recht.«