Wohl ist dir! Wohl ist dir! schrie ich inwendig, von feigem Neid zerfressen und ermattet.

Aleit war hinter mich getreten und legte die Hand auf meine Schulter.

»Ronald,« klagte sie leise, »wendest du dich von so verirrter Seele ab? Ist deine priesterliche Gewalt nicht groß genug, meine Schulden mit dem Absolvo zu bedecken? Kann ein menschlich Herz, das wie das deine gelitten hat, so große Sünde nicht mehr fassen? – Einen weiß ich, der mich dennoch aufnimmt, denn ich fühle seinen kalten Atem hinter mir.«

Erschrocken blickte ich mich um und sah das totenblasse Angesicht von einem Schein verklärt, der nicht mehr von dieser Welt war. Von der eigenen Angst plötzlich befreit beugte ich den Kopf tief erschüttert auf die Brust. Aleit legte sorglich den Riegel vor den Laden, schürte das Feuer noch einmal und stand wartend zwischen Stuhl und Tür. Da riß ich mein lahmes Herz empor und haschte ihre Hand.

»Arme Frau,« sprach ich heiser vor Aufregung und unterdrückten Tränen, »wer wollte Euch richten? Hat Gott Euch in so schwere Schicksale verstrickt und habt Ihr Euch so tapfer gehalten, dann ziemt Euch himmlischer Lohn weit eher als irdische Sühne. Euer Leben ist seltsam zerbrochen worden, doch glaubet, Frau, wir leben nicht zum letztenmal auf dieser Erde! Ihr beide, Robert und Ihr, seid eins in zweierlei Gestalt, und wechselt ihr das verwesliche Kleid, so wird ein neues Dasein die Frucht des alten weiterreifen bis in Ewigkeit. Des seid getrost und freut Euch: nimmer könnt ihr zwei euch verlieren, ewig werdet ihr verbunden sein, und eure Hölle und euer Paradies liegen nicht über den Sternen, sondern hier auf der Heimatscholle.«

Ich sprach für mich selbst, für meine eigenen Wünsche, meinen eigenen Glauben. Und dies war es, was meinen Worten eine heiße Überzeugungskraft gab. Sie verstand nicht, was ich meinte, aber sie fühlte, wie ich in ihren aufleuchtenden Mienen las, eine Wahrhaftigkeit, die sie ergriff und erhob. Leise, mit schwingender Glückseligkeit fragte sie:

»So ist es wahr, daß Liebende sich wiedersehen?«

Ich antwortete, überwunden und siegreich in einem:

»Sie sehen sich nicht wieder, sie bleiben immerdar vereint!«

Unsere Augen tauchten ineinander, ruhig und warm wie Lichter in unbewegten Wassern, langsam lösten sich die Hände von ihrem festen Druck, und sie verließ mich wie ein Falter die Blüte, die er kosend öffnete.