»So ist es,« rief sie frohlockend, »hab Dank, Ronald, vielen, vielen Dank! Doch sprich, was verschweigen uns unsere Mönche dies Köstliche und malen Paradies und Hölle, wo nichts als grüne, blühende Erde ist? Steht es nicht also in den heiligen Büchern? Lehrte dies nicht der Heiland?«

Und wieder las ich die beherrschte Furcht in ihrem reinen, gläubigen Gemüt – um alle Seligkeit der Ewigkeit hätte ich sie nicht enttäuschen mögen.

»Frau, es fassen nicht viele so hohe Dinge, darum setzt die Kirche ein Bild an Stelle der Wirklichkeit, und nicht einmal alle Priester werden in die tieferen Geheimnisse eingeführt.«

»Du aber, Ronald,« bebten ihre Lippen, »sage, du gehörst zu den Eingeweihten?«

»Ja, Herrin,« log ich verzweifelt und wandte mich in den Schatten. »Doch was macht Ihr für ein Wesen aus diesen Dingen, da doch die Welt so voller Wunder ist!«

Sie antwortete nicht; ich fühlte, wie Trost und Ruhe in sie einzogen.

Der Abend war angebrochen, Dienstvolk ging mit Fackeln über den Hof, Lärm und Gelächter klangen herauf.

»Nimm mir die Wißbegier nicht übel, Ronald, denn ich habe es eilig. Mein Leib ist aufgebraucht und hält die Seele nur noch locker in dem lockeren Bau. Laß dir sagen, mein Freund, ohne dich wäre ich einen schweren Tod gestorben.«

Ich widersprach ihr nicht, die heißen Zähren liefen mir in den Bart. Sagen konnte ich nichts, mochte ich nichts, da ihr die Wahrheit auf dem weißen Antlitz stand. Wie Irrlichter zuckten die Gedanken über mein dumpfes, gebundenes Hirn, ich gönnte dem gepeinigten Weibe die endliche Ruhe, und zugleich mochte ich sie nicht in dem kalten Grabe wissen.

Die Schritte der anderen klangen in der Halle; ich schied hastig und verwirrt und drückte mich in meine Kammer, die Glocke überhörend, die zum Nachtmahl rief. Saß in der grimmen Kälte und weinte aufgelöst und ohne Weg in der Verworrenheit meiner Gefühle, bis der Bastard mich aufschreckte.