»Der Brei wird kalt, Ronald! – Du weinst?«

Er verstummte, er hatte nicht nötig, zu fragen. Schließlich machte er sich Luft und zeigte sein gepreßtes Herz:

»Sind wir nicht wie zwei Mörder? – Bruder, Bruder, was haben wir getan! Um uns verblutet sie und fährt dahin, nicht auf einen raschen Streich, nein, grausam in zwanzigjähriger Qual, Stich um Stich! Ich kann sie kaum mehr ansehen, ohne zu erröten; wir alle gewannen, nur sie verlor. Was prüft Gott ihr Herz in solcher grausen Folter? Ist dies die gelobte Güte? Dies die Allmacht, die nicht wagt, einmal von dem betretenen Wege zu lassen, und lieber das Edelste in den Staub tritt?«

Er starrte mich mit haßerfüllten Augen an, die Lästerungen strömten aus übervoller Brust, aber mir graute – graute vor mir selbst, der ich im eigenen Busen ein Echo seines Zornes fand. Ich hielt mir die Ohren zu und schrie verzweifelt:

»Halt ein! Nichts wider Gott! Unsere Frucht, unserer bösen Taten Frucht ernten wir jetzt und dürfen nicht murren.«

Jedoch mein Geschrei betäubte nicht die Gottesleere in meiner Seele und überzeugte ihn nicht. Er ging hinaus und rief einem Diener, daß er Mahl, Wein und Feuer schaffe und den Kindern melde, wir tafelten allein. Wir ertrugen, wie Kain, keines Menschen Blick.

Da saßen wir die halbe Nacht, verbissen, wortlos, vom Trunk nur noch trauriger gestimmt; denn das Blut der Traube macht nur den Fröhlichen froh.