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Sie sah den Lenz nicht mehr. Eines Nachts rief mich die Kammerfrau mit einem Gesicht, das alles kündete. Eilig nahm ich die Stufen und stieß vor ihrer Tür auf den Bastard. Wir vermieden uns anzusehen, bebend schlichen wir in das Gemach. Aleit hatte den Nachmittag heiter mit uns allen verbracht; die kleinen Händchen Gertraudens hatten in ihrem nun völlig weißen Haar gespielt und ihr ein leises Lachen entlockt, das uns alle schmerzlich beglückte. Jetzt, da wir eintraten, sahen wir, es war der Abschied gewesen, sie wollte bei dem Letzten niemanden als uns beide um sich haben.

Nichts war in der Kammer als ihre Augen, aus denen ein Meer von Liebe floß und unsere zitternden Herzen in warmer Woge fing und still machte. Wir knieten an dem Lager nieder und hielten ihre Hände; mit einem entwand sie sich uns, überirdischen Glanz in den Mienen, hob sich und zog den Herzog an ihre Brust und küßte ihn lange auf den Mund.

»Lieber, Lieber du!« stammelte sie, ihre Wangen röteten sich noch einmal vor erstauntem Glück; sie ließ den Erschütterten, Fassungslosen, die Lider fielen ihr zu, sie sank in die Kissen zurück und schien mit einem Lächeln einzuschlafen.

Robert und ich standen auf und sahen uns scheu und blaß an; wir wußten beide, wem der Kuß gegolten, wir waren beide glücklich in dem Gefühl ihres Glücks, aber wir schämten uns voreinander und glaubten, jeder aus anderem Grunde, er habe den anderen beraubt. Wir ahnten nicht, daß sie schon gestorben sei, und waren noch bei ihren letzten Worten, doch endlich empfanden auch unsere groben Sinne den Tod.

Abermals brachen wir in die Knie, als habe ein flammendes Schwert uns mit einem Streich gefällt.


25

Mitten im Walde, rang ich ihm ab, wurde Aleit gebettet. Über ihre Gruft sollte mit Beginn der trockenen Jahreszeit eine Kapelle gebaut werden, und die sollte mein sein. Er gab meinem Wunsch nicht gern Raum, denn er wollte mich nicht im Hause missen. Ich aber setzte mich durch und zog im Sommer schier triumphierend in die Klause, die mich heute noch beherbergt. Die Quelle nahebei war die Tränke der Rehe und Hirsche, die mein altes Auge erfreuten; die Kinder und der Herzog selber kamen oft und ließen mir weder Hunger noch Durst. Es war kein Leben der Geißelung und sollte es auch nicht sein, ich wollte nichts als Ruhe und Frieden. Ein Gärtlein hatte ich angelegt, drin wachsen Blumen, Kräuter und Äpfel bunt durcheinander, und gottlob bedauert mich niemand mehr ob meiner selbstgewählten Einsamkeit, da ich sie so schön und farbenprächtig hergerichtet habe. Winters zieht der Schnee einen sicheren Schutz um mich.